Wörterbuch 1.0 und Wochende auf dem Rad

Ein paar arbeitsreiche Tage liegen hinter mir. Zum einen habe ich etwas an der Website gearbeitet und zum Beispiel den angekündigten ersten Teil meines kleinen Wörterbuchs online gestellt und zum anderen habe ich das Wochenende genutzt, sprichwörtlich mal rauszukommen und meine Umgebung mit dem Rad zu erkunden. Aber immer der Reihe nach:

c1-antons
Wie euch bestimmt, oder besser gesagt: hoffentlich!!! schon aufgefallen ist, befindet sich seit wenigen Tagen links unter meinem Namen ein neuer Menüpunkt mit dem Namen „Chinesisch„. Dort entsteht mein neues Wörterbuchprojekt.
Bisher gibt es erst drei Vokabellisten mit Obst, Gemüse und Fleischprodukten, aber mein Ziel ist es natürlich, diese langfristig zu erweitern und auszubauen. Neben dem Design und den Einleitungen, die noch nicht fertig und vollständig übersetzt sind, überlege ich gerade, wie ich die Aussprache der einzelnen Vokabeln am besten intergrieren soll (selber aufnehmen? externe Dienste nutzen? kostenlos oder professionell?). Eine Kommilitonin hat mir zudem angeboten, die Listen auch auf Französisch zu übersetzen. Allerdings mache ich das alles ja nur nebenbei, weshalb die Implementierung wohl eher gemächlich vonstattengehen wird! Wer aber Fragen oder Anregungen hat, mich auf Fehler aufmerksam machen oder sogar mithelfen will, der sei herzlich eingeladen, sich bei mir zu melden! 🙂

Außerdem habe ich etwas am Layout der Seite verändert. Der Platz für die Texte ist nun etwas breiter geworden. Ich hoffe, dass meine Artikel dadurch nicht mehr so übertrieben lang und etwas kompakter erscheinen. 😉

Radtour Tag 1
Am Samstag Nachmittag hatte ich nach dem vielen Hausarbeitschreiben und anderen Uni-Aufgaben einfach mal das Bedürfnis aus der Wohnung und der Stadt rauszukommen. Also suchte ich mir ein beliebiges Ziel auf der Karte, schnappte mir mein Rad und radelte los.
Die ersten Kilometer fuhr ich durch mehrere von mir noch unerkundete Stadtviertel nach Westen. Zuerst dachte ich mir wieder einmal: gibt es in China auch nur einen einzigen Ort, der „fertig“ ist und an dem es keine Baustelle gibt?! Etwas später entdeckte ich dann durch Zufall einige Gassen, die teilweise auf sehr authentische Weise ihren europäischen Vorbildern nachempfunden worden waren. Mit einem geübten Auge lassen sich auf den folgenden Bildern – abgesehen von den chinesischen Schriftzeichen – aber auch noch andere Hinweise finden, die gegen einen Aufenthalt in Europa sprechen! 😉

Bauwahnsinn in China
Bauwahnsinn in China
"Klein-Europa" direkt in meiner Nachbarschaft.
„Klein-Europa“ direkt in meiner Nachbarschaft.
Ob man das so in Europa auch so sehen würde? ;-)
Ob man das so in Europa auch so sehen würde? 😉

Nach einigem Hin und Her kam ich schließlich zum 金馬河 – dem „Gold-Pferd-Fluss“ – dem ich nach Süden folgte. Nur wenige Minuten später war es jedoch, als würde ich die Schwelle zum „alten China“ mit all seinen Mythen und Stereotypen überschreiten und die Stadt endete abrupt. Ich sah viele Bauern auf kleinen Feldern arbeiten, Ruinen, die vermutlich Zeugen vergangener Erdbeben sind und deutlich ältere Gebäude.
Doch wie bereits im vermeintlich europäischen Teil wurde schnell deutlich, dass der Schein trügt und die Modernisierung auch im ländlichen Raum rasant voranschreitet, wenn vielleicht auch nicht ganz so offensichtlich.
So beobachtete ich zum Beispiel an einer Stelle das Pflügen mit einem Wasserbüffel, während direkt auf der anderen Straßenseite mit Pestiziden gesprüht wurde. Ein anderes Beispiel war eine Reihe von Betonpfeilern (vielleicht für eine Autobahn oder Schienentrassen), die mitten in einem kleinen Waldstück vor mir auftauchten und nach links und rechts eine Schneise durch die Bäume zogen.

Hühner- und Entenstall im China-Stil. 39 Tiere auf engstem Raum.
Na, wer sieht wie viele Hühner und Enten hier gehalten werden? Wenn ich mich nicht verzählt habe, waren es 39!!!

Am lustigsten war aber vermutlich die Entdeckung eines „Bauern-Freizeitparks“ – inmitten von Feldern gelegen und dazu noch mit einem deutschen Namen versehen. Dort können kühne Städtler dann einmal das richtige Bauernleben genießen: Sackhüpfen, Melken an der Melkmaschine, Ostereiersuchen im Stroh für die Kinder und Country-Musik von stereotyp-gemäß gekleideten Coverbands – also alles, was richtige Bauern den ganzen Tag eben so machen und erleben! Abgesehen von der fragwürdigen Lokalität zweifle ich persönlich zwar auch am Gesamtkonzept, einer der Mitarbeiter versicherte mir aber, dass die Idee aus den USA käme und man sehr gut im Geschäft stehen würde. Na dann, warum also nicht. 😀
Zu Gast auf der "Gutenburg"! :D
Zu Gast auf der „Gutenburg“! 😀
Die Besucher in der "traditionellen Bauerntracht"! :D
Die Besucher in der „traditionellen Bauerntracht“! 😀

Radtour Tag 2
Am Abend erzählte ich einer Kommilitonin von meinem kleinen Ausflug (~70km waren es letztlich wohl geworden) und wir verabredeten uns spontan für den Sonntag zu einer weiteren Tour. Dieses Mal hatte ich mir online eine empfohlene Runde herausgesucht (106km), also ging es bei super Radwetter los. Nach 20km sah ich allerdings ein Wegschild zum Berg Qingcheng (青城山), einem der Enstehungsorte des Daoismus. Ich schlug kurz nach, wie groß der Umweg sei, und da es sich lediglich um 25km handelte, änderten wir unseren Plan und fuhren weiter nach Norden. Allerdings kam es wie es kommen musste und ich entdeckte auf der Hälfte der Strecke ein weiteres Schild, dieses Mal zum …(). Kein Problem, denn dieses Mal lag das Ziel sogar fast auf der Strecke, also entschieden wir, es auch noch mitzunehmen. Dort angekommen, konnten wir außer zum trocknen ausgelegten Bohnen und ein paar Restaurants jedoch nichts finden. Wir fragten uns durch und erfuhren, dass der See mittlerweile zum Gelände einer Schule gehöre und der Zugang darum für die Öffentlichkeit gesperrt sei. Scheinbar hatte man also lediglich vergessen die entsprechenden Hinweisschider zu entfernen. Das war zwar schade, aber nun mal nicht zu ändern. Damit wir den kleinen Umweg nicht ganz umsonst gemacht hatten, legten wir erst einmal unsere Mittagspause ein.
Anschließend ging es die letzten Kilometer bis zum Berg Qingcheng, doch dann passierte es erneut: ein Schild, ein Gedanke und schon bogen wir einen Kilometer vor dem Ziel ab. Unser neuer Bestimmungsort lautete nun Dujiangyan (都江堰). Der Ort ist für sein Bewässerungssystem berühmt und gehört gemeinsam mit dem Berg Qingcheng zum Weltkulturerbe. Aus diesem Grund hatte ich auch gedacht, dass sich Dujiangyan und Qingchengshan im selben Nationalpark befinden würden, dem war aber eben nicht so. Der neue Plan beinhaltete darum erst das Bewässerungssystem zu besichtigen und dann die 11km zum Berg Qingcheng zurückzufahren.
Allerdings mussten wir bald feststellen, dass wir uns damit zeitlich etwas überschätzt hatten. Bei unserer endgültigen Ankunft war es nämlich bereits 15 Uhr und es stellte sich zudem heraus, dass sich das System in einem großen Parkgelände befindet, das wir bei dieser Gelegenheit natürlich auch gleich mit erkunden wollten. Aber damit erst einmal genug der langen Rede und Zeit, meine Bilder zu Wort zu lassen! 🙂
Dujiangyan (1)

Dujiangyan (2)
Dujiangyan (3) In den Gärten von Dujiangyan.
Dujiangyan (4)Dujiangyan (5)Dujiangyan (6)Dujiangyan (7)
Dujiangyan (8)
Dujiangyan (9) Auf dem Weg zur höchsten Pagode!
Dujiangyan (10)Dujiangyan (11)Dujiangyan (12)
Blick über die Stadt.
Blick über die Stadt.
Die Bewässerungsanlagen von Dujiangyan (auf der rechten Seite zu sehen).
Die Bewässerungsanlagen von Dujiangyan (auf der rechten Seite zu sehen).
Dujiangyan (15)Dujiangyan (16)Dujiangyan (17)Dujiangyan (18)Dujiangyan (19)Wie ihr auf den letzten Bildern aber schon sehen könnt, nahmen wir uns ein bisschen sehr viel Zeit bei der Erkundung, weshalb es bei unserer Abfahrt bereits 19 Uhr und schon dunkel war. Mit der Stirnlampe auf dem Kopf und festem Tritt in den Pendalen „flogen“ wir also los. Um Zeit einzusparen hatten wir uns für den direkten Rückweg (~45km) entschieden. Die Straße war dieses Mal leider nicht so schön und auch recht groß und stark befahren, dafür war sie aber zumindest in einem guten Zustand. Die Dunkelheit und mein Wunsch schnell anzukommen hielten mich zum Glück davon ab, uns wie auf der Hinfahrt mit ständigem Fotoschießen aufzuhalten. Letztlich schafften wir es somit trotz zweier „Flucht-Versuche“ meiner Kette und einem Schlappmachen meinerseits, das mit einem kurzen Stop an einem Supermarkt und der sprichwörtlichen „Inhalation“ zweier Päckchen Erdbeermilch und einer Schachtel Schokokese behoben werden konnte, innerhalb von 90 Minuten zurück. Dort gab es dann erst einmal einen groooooßen „Trocken-Topf“ (幹鍋)! 🙂 Unser wohlverdientes Abendessen.An dieser Stelle möchte ich noch einmal meinen großen Respekt vor all jenen ausdrücken, die im Training wieder und wieder hunderte von Kilometern innerhalb von nur wenigen Stunden abspulen – das ist echt beeindruckend und ich mache bestimmt bald wieder einmal eine Radtour, dann vielleicht direkt zum Qingcheng Berg und dann vielleicht auch erst einmal nur dorthin! 😉

Abschließend gibt es aber noch eine kurze Anekdote und anschließend eine Frage in die Runde: wie wir im Park umherwanderten bemerkten wir einen alten, schnaufenden Mann hinter uns. Wir scherzten noch, dass er sich bestimmt extra beeilen würde, um uns nicht zu verlieren. Spätesten als er uns jedoch fragte, ob er ein Foto von uns machen könne, merkten wir, dass in diesem Scherz einiges an Wahrheit steckte! Er wollte nämlich nicht mit uns auf ein Bild und es ging ihm auch nicht darum mit meiner Kamera ein Bild von uns zu machen, sondern er knipste mit seiner eigenen Spiegelreflex drauf los. Das kam uns zwar etwas komisch vor, aber wir dachten uns nichts dabei und wir ließen ihn machen. Als wir jedoch weiter liefen (es ging den Berg hinauf und wir hatten einen flotten Schritt), folgte er uns weiter auf Schritt und Tritt und überall, wo wir anhielten, verlangte er neue Posen, die er fotografieren wollte. Er begann sogar uns anzuleiten, wo wir langzugehen hätten und von wo aus wir Fotos machen sollten etc. Spätestens dann kam uns die Sache doch sehr spanisch vor. Aber was sollten wir tun? Auf höfliches „Entschuldigung, wir wollen uns hier gern selbst umschauen“ reagierte er nicht und als wir uns nicht anders zu helfen wussten, nutzten wir eine kurze Unaufmerksamkeit um uns so schnell wie möglich, aber ohne zu rennen, aus dem Staub zu machen. Mit Erfolg? Fehlanzeige. Bereits wenige hundert Meter weiter hatte er uns wieder eingeholt. Allerdings schnaufte und käuchte er dabei so heftig, dass wir uns ernsthaft Gedanken machten, ob wir ihm gesundlichen Schaden zufügen würden. Er diktierte uns weiter zu einer Pagode, die wir ohnehin angepeilt hatten und als wir uns auf den Weg nach oben machten, positionierte er sich so am Eingang, dass wir ihn beim wieder Herauskommen auch ja nicht verfehlen würden.
Doch nun war endgültig Schluss und wir erklärten ihm noch einmal so höflich wie möglich, aber so ausdrücklich wie nötig, dass wir nun gehen würden, da es bereits spät sei und wir noch Zurückradeln müssten. Er versuchte uns zwar zum Bleiben zu bewegen und dass wir doch ein Zimmer in einer Herberge nehmen und unbedingt die nächtliche Altstadt erkunden müssten, aber wir ließen uns nicht beirren. Er folgte uns noch bis zum Ausgang, wo wir uns dann endgültig loseisen konnten.
Nun die Frage: Wie hättet ihr euch in dieser Situation verhalten? Ich kann verstehen, dass der alte Mann freundlich sein und uns Herumführen wollte. Allerdings war es eben etwas zu viel des Guten und das war ihm leider nicht bewusst. Mir will auch partout nicht einfallen, was wir hätten anders machen können. Sollte also jemand eine gute Idee haben, würde ich mich über einen Kommentar sehr freuen! 🙂

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