Vorweihnachtszeit in China

Zunächst einmal wünsche ich Euch allen nachträglich noch einen schönen ersten Advent! 🙂 So richtig Weihnachtsstimmung ist bei mir (vor allem wetterbedingt) allerdings noch nicht aufgekommen. Dafür konnte ich am vergangenen Donnerstag aber zumindest ein Chor-Konzert besuchen, bei dem nicht nur gesungen, sondern auch getanzt wurde. Dieses fand zwar nicht in einer Kirche statt und es wurden auch keine Weihnachtslieder gesungen, ein kleiner Ausgleich war es jedoch allemal!
Da ich seit eben jenem Donnerstag offiziell auch eine Sehnenscheidenentzündung in der linken Hand habe (offiziell deshalb, weil ich die sicher schon etwas länger mit mir herumschleppe und mit der Arzt am Donnerstag eben die Diagnose gab), gibt es heute mal wieder weniger zum Lesen und dafür mehr zum Anschauen! 🙂

Kurz etwas zu meiner Hand: ich bezweifle stark, dass es sich um eine richtige Sehnenscheidenentzündung handelt, denn nach dem, was ich so gehört habe, hätte ich dann wesentlich stärkere Schmerzen. Der Arzt hielt es zudem nicht einmal für notwendig mir eine Schiene zu verordnen. Stattdessen gibt es einmal täglich eine 20 minütige Strombehandlung, wie ich sie aus meiner Zeit als Sportler von der Physiotherapie noch kenne. Das klingt nach wenig, scheint aber zu wirken, denn es hat sich schon deutlich verbessert. Die Behandlung findet zudem in unserem uni-internen Krankenhaus auf dem Campus statt, was ziemlich praktisch ist!Stromtherapie

Zu dem Konzert hatte uns eine Englisch Dozentin meiner Uni eingeladen, da die Schwester einer gemeinsamen Freundin Mitglied in besagtem Chor ist. „Wir“, das sind zwei deutsche Kommilitonen und ich, hatten uns dazu für Donnerstag um 17.20 Uhr am Osttor unserer Uni verabredet. Im Vorfeld hatten Malou (eine der Kommilitonen) und ich noch essen gehen wollen. Dabei verspekulierten wir uns zeitlich, weshalb wir unsere Speisen kurzerhand einpacken ließen und mitnahmen.

Etwas später trafen wir im Restaurant der besagten Freundin ein, die uns begleiten und sogar zum Konzert hinfahren wollte. Der chinesischen Höflichkeit entsprechend bestand sie jedoch darauf, uns zunächst auch noch zum Essen einzuladen. Das war natürlich etwas peinlich, da wir ja Essen mitgebracht hatten. (Der Fairness halber muss ich aber hinzufügen, dass ich zunächst gar nicht wusste, dass sie uns fahren würde und ihre Schwester Mitglied im Chor ist!)
Naja, wie auch immer. Es folgte ein sehr amüsantes „Streitgespräch“ zwischen der Dozentin und ihrer Freundin. Während die eine Angst hatte, dass wir zu spät kommen würden, pochte die andere auf ihre Ehre als Gastgeberin und Restaurantbesitzerin. Der sprachliche Mix aus Deutsch, Englisch, Mandarin („Hochchinesisch“) und Sichuan-Dialekt rundete das Tohuwabohu perfekt ab.
(Die Dozentin spricht, abgesehen von Deutsch, alle der vier angegebenen Sprachen. Ich wiederum bin zwar flüssig in Deutsch, Englisch und Mandarin, verstehe aber beim Dialekt nicht alles. Die Freundin hingegen spricht fast kein Englisch und meistens Sichuan-Dialekt und eher weniger Mandarin. Der andere Deutsche, Alex, spricht natürlich Deutsch und Englisch, dazu gebrochenes Mandarin, hat aber Schwierigkeiten mit dem örtlichen Dialekt und Malou spricht überhaupt kein Chinesisch und demnach „nur“ Deutsch und Englisch.)
Entsprechend witzig war es also, als die Freundin beispielsweise mehrfach versuchte Malou in Sichuan-Dialekt anzusprechen. Als wir ihr daraufhin erklärten, dass diese kein Wort verstehen würde, versuchte sie es erneut, dieses Mal allerdings in seeehr langsamem Mandarin. 😀

Als wir dann endlich angekommen waren, erfuhren wir, dass es sich nicht um ein öffentliches Konzert, sondern um eine Veranstaltung in einer Oberschule für Mädchen handelte (die aber von einer regionalen Chorgruppe durchgeführt wurde). Dementsprechend groß war das (sprichwörtliche) Geschrei, als drei Ausländer den Saal betraten und ihre eigens für sie reservierten Plätze in der Mitte der Halle einnahmen.

Die Reihe hinter uns - Schülerinnen im 1. Senior-High-School Jahr.
Die Reihe hinter uns – Schülerinnen im 1. Senior-High-School Jahr.
Bevor wir das erfuhren, dachten wir sie sind 10 oder 12… tatsächlich sind sie aber schon 15! :O

Das Konzert an sich war sehr schön. Es gab regional und national bekannte Lieder, von denen ich allerdings nur wenig verstanden habe. Gesungenes Chinesisch klingt eben doch noch einmal anders. Etwas überraschend für mich war die starke „linientreue“ des Programms. Ich hatte das Glück neben der Freundin zu sitzen, die mir dann gelegentlich wissenswerte Infos ins Ohr flüsterte. So erfuhr ich zum Beispiel, dass drei der vorgetragenen Lieder ursprünglich Gedichte Mao Zedongs waren und erst nachträglich in Lieder umgewandelt worden waren. Ein anderes Werk, das nicht gesungen, sondern mit erhabenen Stimmen vorgetragen wurde, handelte von der der Arbeiterklasse. Darin wurde beschrieben wie diese unseren heutigen Wohlstand überhaupt erst ermöglicht habe, wie sie sich für das gesellschaftliche Gemeinwohl aufopfere und dass sie der Quell von Innovation und damit auch der Gestalter der Zukunft sei. Insbesondere dieser Programmpunkt war eine sehr spannende Erfahrung, da mich Inhalt, Art und Weise der Präsentation stark an DDR Zeiten erinnert haben. Diese habe ich zwar nicht persönlich erlebt, allerdings nehmen sie eine nicht zu verleugnende Rolle in der Geschichte meiner Familie und Heimat ein.
So, aber jetzt endlich zu den Bildern! 😉

Ps.: Nur noch ganz kurz: ich war für einen Augenblick schockiert, als ich es erfahren habe. Aber achtet mal genau auf das Äußere der Chormitglieder, insbesondere der Frauen. Hättet ihr gedacht, dass alle von denen mindestens bereits 50 oder 60 Jahre alt sind?! Konzert (1)

Konzert (2)

Konzert (3)

Konzert (4)

Konzert (5)

Konzert (6)

Konzert (7)

Konzert (8)

Konzert (9)

Konzert (10)

Konzert (11)

Konzert (12)

Konzert (13)

Konzert (14)

Konzert (15)

Neben dem Chor waren wir natürlich das größte Highlight - hier gemeinsam mit unseren Fans! :D
Neben dem Chor waren wir natürlich das größte Highlight! 😀
(Erst traute sich eine Mutige, dann wurden es plötzlich immer mehr. Irgendwann brach unsere Dozentin, die die ganzen Fotos schießen musste, dann entnervt ab.)
Abschlussfoto.
Abschlussfoto.
Von Links: Alex, unsere Dozentin, Malou, ich, die Freundin, ihre Schwester, der Schuldirektor, unbekannte Offizielle von Seiten der Schule.

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