Urlaub in Taiwan Teil 3

GuanzilingWir waren also wieder auf dem taiwanischen Festland angekommen, und da wir uns alle noch etwas fertig von den letzten 3 Tagen fühlten, änderten wir spontan den Plan, und statt zum Berg Alishan fuhren wir weiter ins Gebirge nach Guanziling. Dieser Ort ist schon seit der Besatzung durch die Japaner für seine heißen Quellen berühmt. Allerdings waren wir so froh endlich ins Bett zu können, dass wir das Baden auf den nächsten Tag verschoben.



GuanzilingDer nächste Tag war als Ruhetag geplant. Doch da ich auch meine immer näher rückende Rückkehr nach Deutschland im Blick hatte, wollte ich keinen Tag „verschwenden“ und informierte mich kurzerhand, was man denn dort auf dem Berg so machen könne. Die Erkenntnis: eigentlich nicht viel, ABER es gab eine größere Sehenswürdigkeit – auf der anderen Seite des Berges: die Feuer und Wasser Quelle. Nun die Frage: wie kommen wir dahin? Roller zum Ausleihen? Gab‘s nicht. Fahrräder? Fehlanzeige. Was bleibt also noch übrig? Richtig, ich machte den mutigen Vorschlag doch einfach hinzulaufen
Guanziling







Zitronenbaum in GuanzilingAlso wanderten wir los. Rauf, und runter und immer weiter. Es boten sich uns aber auch tolle Aussichten, da wir nicht nur auf einem Berg, sondern auch von Regenwald umgeben waren. So sahen wir diverse Tierchen, wildwachsende grüne Zitronen (Nein, auch das ist kein Fehler. Fast alle Zitronen die man hier kaufen kann, sind grün. Es gibt eben sehr viele unterschiedliche Arten.)


GuanzilingGuanziling

Die Feuer und Wasser QuelleSprechender VogelUnd irgendwann nach vielen Stunden kamen wir dann auch tatsächlich an. Die Quelle an sich ist nicht sehr groß, allerdings brennt aus ihr heraus, wie der Name schon sagt, eine Flamme. Und diese brennt dort wohl schon seit über 300 Jahren, das ist zumindest das offizielle Datum, an dem dieses Phänomen erstmals von einem Menschen entdeckt wurde. Es handelt sich dabei wohl um Methan oder eine andere Gas Art, die kontinuierlich aus dem Boden austritt, und eben irgendwann irgendwie in Brand geraten ist. Das man derartige Dinge auch sehr gut zum Geschäfte machen nutzen kann, wissen auch die Taiwaner. Deshalb fanden wir neben der Quelle auch eine ganze Reihe Souvenirshops, Restaurants, Eisdielen und lustige Tiere in Käfigen vor. Ok, das Wort „lustig“ ist hier vielleicht etwas makaber gewählt, da die Tiere ihre Situation selbst wohl nicht sehr lustig finden. Die Eichhörnchen verbrachten ihre Zeit damit Loopings in ihren Käfigen zu rennen, während sich die Wellensittiche entweder aus tiefer Liebe oder Verzweiflung über ihre Langeweile intensiv mit ihren „Käfigpartnern“ beschäftigten, deren Federkleid reinigten, etwas wie Küsse austauschten (wenn man das bei Vögeln so nennen kann), oder einfach alles nachmachten, was der andere machte. Und dann gab es noch zwei amüsante Vögel, die ich nicht zu identifizieren vermag, die sprechen konnten, und dann in unterschiedlichen Stimmlagen Dinge wie „Hallo“ und „wooooooooooow“ von sich gaben, und uns beim Eis essen unterhielten.Eines der verrückten EichhörnchenGelangweilte oder verliebte
Da wir bereits viele Stunden gelaufen waren, überlegten wir, wie es weiter gehen sollte. Mehr als die Hälfte des Weges lag noch vor uns, und dass nicht mal eben ein Taxi aus dem Nichts auftauchte, ist wohl auch nicht sehr verwunderlich. Ich fragte nach, und ein Opa bot uns an uns mitzunehmen. Der Preis war aber etwas happig, und so entschieden wir weiter zu laufen, da auf der Route auch noch zwei große Tempel eingezeichnet waren, die ich mir gern anschaute.

Tempel nahe GuanzilingTempel nahe GuanzilingTempel nahe GuanzilingTempel nahe GuanzilingWir liefen also weiter, und weiter. Plötzlich entdeckten wir an einer Palme am Straßenrand „Drachenaugen“. Ein Obst, welches eigentlich noch nicht ganz ausgereift ist zu dieser Zeit. Egal, wir wollten etwas naschen, und uns war jedes Mittel recht. Bloß blöd, dass die Früchte zu hoch hingen, und uns darum nicht gerade wenige vorbeifahrende Autofahrer ungläubig anstarrten, wie dort 3 Ausländer mit Bambusstöcken schlagend und sich gegenseitig auf die Schulter nehmend, versuchten dort an das Obst zu gelangen. Zu erwähnen ist vielleicht auch noch, dass es direkt vor uns steil abwärts in den Wald ging. Kurz vor dem Aufgeben schafften wir es dann aber sogar doch noch, und unsere Beute verzehrend ging es weiter.
Kurz darauf kamen wir auch an dem ersten Tempel an. Während Franz und Rebekka eine Pause einlegten, rannte ich die lange Treppe ins Tal zu einer großen aus Beton gegossenen Lotusblüte hinab, und dann wieder hinauf bis zur höchsten Stelle des Tempels. Dort ging auch ein Pfad auf den dahinter liegenden Bergwipfel. Das Schild mit der Aufschrift „1300m bis zur Spitze“ hatte mich schon motiviert lossprinten lassen, als es zu Tropfen anfing. Also wieder zurück. Der Regen wurde schnell immer stärker, und wir stellten uns in einem kleinen Pavillon vor dem Tempel unter.
Als nach einer Weile der Regen zumindest etwas nachgelassen hatte, entschieden wir weiter zu laufen, da uns eh nichts großartig weiter übrig blieb. Wir liefen schnell los, und wollten so schnell wie möglich wieder in die Unterkunft kommen, doch der Wettergott sah das wohl anders, denn nur nach wenigen Minuten setzte der Regen wieder voll ein, und dann brauchte viel länger, bis wir völlig durchnässt waren. Franz ließ als erstes Kenntnisse von Büchern wie „Robinson Crusoe“ durchblicken, und stattete sich kurzerhand mit großen Palmenblättern aus, welche ihm als Regenschirm dienten. Rebekka und ich folgten dem Erfindergeist, und schützten so wenigstens unsere Kameras vor dem Schlimmsten.



Nach einer langen, langen Zeit, und dem Frust über viele ohne zu Zögern vorbeifahrende Autos, hielt dann doch endlich ein nettes, älteres Paar an, und bot uns an, uns mitzunehmen. Die Tatsache, dass wir uns klatschnass auf ihre Ledersitze setzten, taten sie mit einem Lächeln ab. Natürlich wollten sie wissen, woher wir kamen, was wir hier machen würden, usw. Und all das konnten wir ihnen auch noch ausführlich erklären, denn der Weg, der noch vor uns gelegen hätte, erwies sich als wesentlich länger, als wir vermutet hätten. Umso dankbarer verabschiedeten wir uns dann auch vor unserer Unterkunft.
Jetzt war auch endlich mal eine Runde baden angesagt, wenngleich die Quelle auch eine andere Form hatte, als wir zunächst angenommen hatten. Und zwar wird das Wasser aus dem aus dem Berg kommenden Fluss angezapft, und man badet dann einfach in seiner Badewanne darin. Es war leicht salzig, und hatte irgendwie etwas schleimiges, dennoch keine unangenehme Erfahrung, und später ließ es sich dann auch gut schlafen und die Strapazen des Tages vergessen. Doch bevor es dazu kam, gingen wir noch gut Abendessen. Es gab ein ganzes Huhn (wohl eine spezielle Art, da ich den Namen an vielen Restaurants dort gesehen habe), dazu ganze, frittierte Shrimps, Suppe und Gemüse. Mehr als satt kapitulierten wir vor der Suppe, und die beiden ärgerten sich etwas, dass sie keine Kamera mitgenommen hatten, um die Hühnerfüße bzw. den Kopf fotografieren zu können, denn diese Dinge werden hier nicht vorher abgeschnitten, bzw. eigentlich auch mitgegessen.

TaipeiDa wir besonders zeitig ins Bett gingen, konnten wir am nächsten Morgen auch zeitig abreisen. Wir kamen zügig zurück in die Stadt, und bekamen dort auch gleich super Zugtickets nach Taipei, ohne vorher noch einmal umsteigen zu müssen. Gute 3,5 Stunden später waren wir dann auch „schon“ da. Mit der U-Bahn ging es in Richtung unserer letzten Unterkunft. Nachdem wir die Zimmer bezogen hatten, machten wir uns auch gleich wieder auf den Weg in die Stadt. Etwas amüsiert bemerkte ich die Erleichterung bei Franz und Rebekka, als wir bei McDonalds anhielten, um Mittag zu essen. Für mich war die Anpassung an das taiwanische Essen vor rund 11 Monaten sehr schnell und ohne Schwierigkeiten verlaufen, aber jeder Mensch ist schließlich anders, und außerdem hatte ich ja auch dafür gesorgt, dass die beiden möglichst viel typisch traditionelles Essen bekamen, was halt für den Europäer manchmal mehr als eine Gewöhnungsfrage ist. 😉

Nationale Chiang-Kai-shek-GedächtnishalleZunächst besuchten wir die Nationale Chiang-Kai-shek-Gedächtnishalle, welche viele Leute zwar von Bildern kennen, aber doch nicht wissen, dass sie in Taipei, und nicht in China steht. Das Gebäude und der umliegende Park, sowie das große Eingangstor und die beiden Konzerthallen links und rechts davon ergeben in der Regel eine sehr schöne Atmosphäre, und bei gutem Wetter findet man viele junge und alte Leute, die in dem Park Instrumente üben, tanzen, meditieren oder sich sonstigen kulturellen Aktivitäten widmen. Nun, wir fanden auch Leute vor, die all dies taten, jedoch suchten sie ebenso wie wir Schutz vor dem erneut einsetzenden starken Regen unter den Vordächern der Konzerthallen. Außerdem war der Zutritt zum Innenraum der Halle leider wegen Renovierungsgründen gesperrt. Das war natürlich sehr schade. Als auch keine Besserung des Wetters in Sicht war, sprinteten wir zurück zur nächsten Bushaltestelle, und machten uns auf den Weg zur „größten“ Sehenswürdigkeit: dem aktuell 2. höchsten Gebäude der Welt, dem 101.

Taipei 101Nachdem wir die rund 12 Euro (für mich „nur“ 10, weil ich ja Student bin 😉 ) Eintritt bezahlt hatten, ging es mit dem schnellsten Fahrstuhl der Welt in rund 33 Sekunden bis in die oberen Stockwerke des über 500 Meter hohen Gebäudes. Der Ausblick von dort aus, den ich ja nun schon zum 2. Male genießen durfte, war wie immer einmalig. Außerdem konnte ich ihn so auch einmal bei Tageslicht genießen. Leider machte uns aber auch hier das Wetter einen Strich durch die Rechnung, denn die oberste und freiliegende Aussichtsplattform war vorsorglich gesperrt worden. Nachdem wir uns also an der schwindelerregend hohen Aussicht satt geguckt hatten, besichtigten wir noch das große Gewicht, eine riesige Stahlkugel, welche hydraulisch gelagert bis zu 40% der Schwingungen des Gebäudes bei Erdbeben und Windgang ausgleicht, und gönnten uns jeder ein Stück Torte. Ich meine, in solch „luftigen Höhen“ kann man das schon mal machen, oder? 🙂Taipei 101Taipei 101


Franz vor dem Taipei 101Nun mussten wir uns aber sputen, denn wir waren zum Abendessen mit einer Freundin von mir verabredet. Zum Abschluss, denn es war ja der letzte Abend meiner beiden Gäste, gab es noch einmal viel verschiedenes traditionelles Essen. Manches war ausgezeichnet, anderes wie z.B. eine Suppe mit Seegurken, war eher gewöhnunsbedürftig. Im Anschluss hieß es noch ein letztes Mal schlafen gehen. Am nächsten Morgen nutzten wir die letzten Stunden um noch einmal durch einen Markt, und einfach durch die Stadt zu schlendern. Dabei immer den Taipei 101 im Blick, da dieser von fast überall aus zu sehen ist. Danach ging es auch schon zum Flughafen, und für Franz und Rebekka war es Zeit für den Rückflug.

Markt in TaipeiAbschied nehmen von Taiwan

Ich hoffe, dass sie einen schönen Urlaub mit Erinnerungen, an die es wert ist, zurück zu denken, hatten. Ich hatte auf jeden Fall eine Menge Spaß, und habe mich sehr über meinen Besuch gefreut. Ich meine, insgesamt hatte ich in meiner Zeit hier schon 3 Besucher, und bei einer Reisedistanz von fast 10000km pro Strecke, ist das schon eine super Bilanz! 🙂

Fotos gibt es natürlich auch noch! Und zwar nicht gerade wenige. Nach Aussortierung kam ich auf rund 600, und Rebekka hat mir noch einmal so viele zur Verfügung gestellt. Ich werde mich an einer Auswahl versuchen, um euch einerseits nicht zu erschlagen, andererseits aber auch von allen Dingen des Urlaubs etwas zu zeigen. Also schaut gleich noch in unserer Galerie vorbei!

Verzeiht mir auch bitte das Ausschweifen in diesen 3 Beiträgen. Über 6 A4 Seiten habe ich geschrieben! Du meine Güte! Aber es ist eben immer kein einfaches Unterfangen im Nachhinein zu schreiben, wenn in einem recht kurzen Zeitraum sehr viel passiert ist. Nicht etwa, weil ich Dinge vergesse, sondern einfach weil es sehr schnell herunter geleiert klingt, ich aber natürlich auch auswählen muss, wo ich kürze, und was ich ausführlicher erzähle. Aber wenn ihr diese Zeilen lest, habt hier es ja geschafft, und ich hoffe auch ihr hattet beim Lesen Spaß, und habt vielleicht sogar Lust bekommen die eine oder andere Sache mal selbst auszuprobieren, oder gar nach Taiwan in den Urlaub zu fahren. Es gibt hier noch so viel mehr zu sehen und zu erleben, aber dafür hat die Zeit schlicht und einfach nicht ausgereicht, insofern denke ich, dass wir die zumindest fleißig waren, und die paar Tage gut genutzt haben! 🙂

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