Typisch Taiwan,…

Soooo, das hat schon wieder so lange gedauert! Mensch, Mensch, Mensch… Naja, immerhin zeigt das: ich bin gut beschäftigt und langweile mich nicht hier in Taiwan (zumal ich ernsthaft bezweifle, dass das ernsthaft möglich wäre!) 🙂

Im letzten Artikel hatte ich ja angekündigt, dass ich mal auf ein paar Dinge eingehen will, die einem hier, wenn man es nicht gewohnt ist, vielleicht etwas merkwürdig oder interessant erscheinen. Diese Liste ist nur, was mir spontan einfällt, und somit alles andere als vollständig. Hinzu kommt, dass ich mich sehr schnell an alles hier gewöhne, und mir damit einige Dinge schon gar nicht mehr auffallen. Nun denn, ich leg einfach mal los:

Graue Haare – Das ist sicher kein typisch taiwanisch, definitiv aber ein typisch asiatisches „Problem“. Während man in Europa weiße Haare wenigstens ansatzweise als Altersindiz verwenden kann, so darf man sich darauf in asiatischen Ländern auf keinen Fall verlassen! Mehr als die Hälfte aller Asiaten (männlich) die ich kenne, hat schon weiße Haare, und teilweise nicht gerade wenige. Mitunter geht dieses Phänomen im Alter von 15 Jahren los. Die Taiwaner selber sagen, es liegt am großen Lernpensum und Stress in der Schule, und daran, dass sie immer sehr beschäftigt sind. Das sind sie aber allerdings wirklich!

Datenschutz – Wenn ich durch Taichungs Straßen ziehe, denke ich mittlerweile oft schmunzelnd an die „Überwachungsskandale“ von Lidl und Co. zurück. Warum? Ganz einfach: In Taiwan gibt es keine einzige Straßenkreuzung, Schule, Supermarkt oder öffentliche Einrichtung (oft aber auch Privatgebäude), in/ an der nicht mindestens eine Kamera zu finden ist. Mittlerweile ist es auch üblich, dass viele Leute im Auto während der Fahrt eine Kamera laufen lassen, um im Fall der Fälle alles dokumentieren zu können. Und in manchen Imbissketten kann man per Kamera sogar zuschauen, wie die Angestellten arbeiten, oder was sie so in ihrer Pause machen.

Während der deutsche Datenschützer bei diesem Anblick vermutlich am Herzinfarkt sterben würde, sagt man hier, dass man sich damit einerseits sicherer fühlt, es andererseits aber eben auch „die chinesische Kultur“ ist. Auch wenn das hier nicht die VR China ist, so hat Volksüberwachung auch hier eine gewisse „Tradition“, wenn auch in keinem mit der VR vergleichbaren Maße!

Sicherheit – In meinem Wohnheim sitzt im Eingangsbereich 24 Stunden am Tag ein Security-Mitarbeiter. Für ein Wohnheim mag das vielleicht noch nachvollziehbar sein, das selbe trifft aber auch auf die meisten Wohngebäude, Schulen oder öffentlichen Gebäude zu.

Somit kommt nicht jeder rein – und für die, die reinkommen, wird notiert wann sie kommen und gehen, und das muss dann auch noch per Unterschrift gegengezeichnet werden.

Bei den ersten Malen fühlte ich mich dabei mehr an den Besuch in einem Hotel erinnert. Aber es entspricht eben dem Wunsch und der Vorstellung von Sicherheit hier.

Ebenso irritierend sind hier die Gitterstäbe, die die Fenster und Türen jedes Schulgebäudes zieren, sowie die Stacheldrähte oder mit Glasscherben bestückten Mauern von Privatgrundstücken. Wie gesagt: Das Verständnis von Sicherheit ist hier ein anderes.

Als letzten Punkt an dieser Stelle: Ich weiß nicht, ob es naiv, oder fahrlässig ist. Ich würde allerdings nicht auf die Idee kommen, Gasflaschen auf einem ROLLER zu transportieren. Und nein, das ist kein Einzelfall, sondern hier Alltag…

Zahnarzt – Viele Deutsche würden sich vermutlich ziemlich aufregen, wenn ihnen beim Zahnarzt der halbe Wartesaal bei der Behandlung zuhören, oder auch bloß direkt zuhören könnte. Diejenigen kann ich beurhigen, dem ist in Taiwan nicht so!

Hier kann einem in vielen Fällen nämlich nicht nur der Wartesaal, sondern auch jeder neugierige Passant von der Straße durchs Schaufenster zuschauen. Ob das nun daran liegt, dass Taiwaner was das angeht sehr offen, oder vielleicht ein kleines bisschen schadenfroh sind, anderen bei dieser doch nicht ganz so liebsamen Sache zuzusehen – ich weiß es nicht. 😉

Gegensätze – Im Chinesischen sagt man Aus-/ und Einfahrt und nicht wie im Deutschen Ein-/ und Ausfahrt.

Tee – Das die Vorstellungen von Tee in Europa und Asien sehr stark auseinander gehen, brauche ich hier sicher nicht noch einmal zu erwähnen. Interessant ist allerdings: das was wir in Europa „schwarzen Tee“ nennen, heißt hier „roter Tee“. Unser „roter Tee“ ist hier allerdings nicht üblich, und soweit ich weiß auch nicht wirklich verbreitet.

 
 
 
 
 
 
 

Geschlechtertrennung – Wohnheime sind hier für beide Geschlechter getrennt. Im Wohnheim meiner Uni dürfen Studenten die Unterkunft des anderen Geschlechts nur zu ausgewählten Uhrzeiten betreten, und unerlaubte „gemeinsame“ Nächte, werden mit einem halben Tag Strafarbeit vergütet.

Straßenverkehr – Ich fange mit dem Guten an: Die Ampeln hier sind eine Klasse für sich, und sollten als Vorbild für alle Welt gelten. Jede Fußgängerampel verfügt zum Einen über digitale Zeitanzeige, die anzeigt wie lange noch grün bzw. rot ist, zum Anderen über ein animiertes, laufendes Ampelmännchen, welches ab nur noch 10 Sekunden grün sogar zu richtig rennen anfängt. Die Autofahrer schauen natürlich auch darauf. Ich finde, wenn man weiß, wie lange man noch zu warten hat, verringert das die Ungeduld ungemein, und als Fußgänger ist man auch wesentlich eher geneigt zu warten bis wieder grün wird, bevor man über die Straße geht.

Jetzt allerdings zur Kritik: Ich sage nicht, dass sich hier keiner an die Straßenverkehrsordnung hält. Gewöhnungsbedürftig, und manchmal auch erschreckend, ist die Situation hier auf der Straße aber zweifellos. Was zuerst auffällt: wer einen Roller fährt, hat quasi einen Freischein. Zebrastreifen werden fröhlich bevölkert, geparkt wird auf jedem Zentimeter der dazu Platz bietet, und Einbahnstraßen scheinen nur für Fahrzeuge mit mehr als 2 Rädern zu gelten. Dazu kommt die optimistische Einstellung mancher Fahrer: Ich fahre immer, egal ob die Ampel rot oder grün zeigt!

Als Fußgänger sollte man sich daher auch sehr, sehr schnell daran gewöhnen, dass man hier im Straßenverkehr ganz unten in der Hierarchie steht, und auch bei grün keinerlei Anspruch darauf hat, zuerst zu gehen.

Noch zur allgemeinen Erheiterung ein Witz, der sich unter vielen Ausländern in Taiwan verbreitet: Wenn in Taiwan ein Taxi oder sonstiges vierrädriges Fahrzeug einen Fußgänger oder Rollerfahrer an-/ überfährt, wird es in den meisten Fällen noch einmal rückwärts zurücksetzen. Wieso? Weil man (angeblich) laut taiwanischem Gesetz im Todesfall nur die Kosten der Bestattung, im Falle einer Behinderung aber die Invalidenrente zahlen darf. Aber keine Sorge, ich kenne schon mehrere Leute, die hier Unfälle hatten – und alle leben noch! Außerdem rettet einen der Fakt, dass man sich im Staat mit der 3. größten Bevölkerungsdichte/ km² befindet, und somit zu keiner Tages- und Nachtzeit befürchten muss, irgendwo allein zu sein, da stets „Zeugen“ vor Ort sind.

Essen – Der gemeine Europäer ist ja der Meinung, man würde hier nur Reis essen. Das stimmt nur bedingt, denn Nudeln stellen einen ebenso großen Anteil bei den Grundnahrungsmitteln. Wenn der Taiwaner aber von Nudeln spricht, meint er etwas, was wir als Nudelsuppe bezeichnen würden. Was wir hingegen als Nudeln betiteln, heißt hier (übersetzt) „trockene Nudeln“ oder „italienische Nudeln“.

Prinzipiell wird auch wesentlich effizienter gegessen, als in Europa. Effizient heißt: man verwertet alles, und wirklich alles beim Essen. Manches erfordert Überwindung, aber alles ist essbar, und einiges ist definitv leckerer als man im Vorraus erahnen könnte.

Werbung – Eine interessante Form der Werbung, gibt es hier auch: Ich nenne es liebevoll das „Propagandamobil“, und der Fahrer dieses Fahrzeugs, ebenso wie der des Müllautos (aber dazu gleich mehr), hat definitiv einen Job, um den er nicht zu beneiden ist. Er fährt nämlich den ganzen Tag durch die Gegend, und dabei dudelt aus dem Megafon auf dem Dach ununterbrochen der selbe Werbespruch. Vielleicht versucht man damit den Leuten indirekt zu implizieren, dass es aufhört, wenn sie das umworbene Produkt kaufen. 😀

Müllabfuhr
– Ich weiß gerade gar nicht, wie das in Deutschlands Großstädten aussieht: ob da die Müllabfuhr auch täglich kommt.
Eines weiß ich allerdings ganz genau: In Deutschland spielt sie (Gott sei dank!) keine Musik! Seit einigen Jahren gibt es auf Taiwan ein neuartiges System der Müllbeseitigung. Da es auf Taiwan sehr heiß ist, fängt Müll nach vergleichsweise kurzer Zeit an zu stinken und zu verwesen. Außerdem gibt es hier eine Vielzahl an Ungeziefer, die wir in Europa nicht kennen. Um diesen beiden Problemen also vorzubeugen, hat man die Mülltonnen abgeschafft. Dafür kommt jeden Tag die Müllabfuhr, und spielt, je nach Bezirk, einen Musiktitel. In vielen Fällen ist das Beethovens „Für Elise“. Wenn dann die Musik ertönt, eilen die umliegenden Anwohner aus den Häusern, und geben ihren Müll ab.

Prinzipiell finde ich die Idee ja gut, wenn dieses Lied dann aber in Dauerschleife kommt, und das Müllauto auch noch schön langsam fährt, und die Musik in einer Lautstärke ist, dass man sie ja nicht überhören kann – dann kann man durchaus schon mal Hass empfinden.

Baustellen – Ich weiß nicht, wie sie es machen, aber in Taiwan sind Baustellen auf Straßen in der Regel nur eine Frage von 2-3 Tagen. Bis in die Nacht hinein wird gearbeitet, und z.B. ganze 4 spurige Kreuzungen werden in Rekordzeit aufgebrochen, und neu asphaltiert. Um dabei aber Staubildung oder langwierige Umleitungen zu vermeiden, lässt man den Verkehr eben auch mal über die schon abgekratzte Straße fahren.

 

Grün – Taichung ist GRÜN! Es ist unglaublich, aber für so eine junge Stadt, und so ein riesiges verstädtertes Gebiet, erscheint es mir oft unglaublich, wie grün hier doch vieles ist. Es gibt nicht übermäßig viele Parks oder ähnliches, aber man hat das Gefühl auf jedem freien Zentimeter stehen Blumentöpfe, wachsen Bäume aus dem Beton heraus, oder sind gar Wände beflanzt!

 
 
 
 
 
 

Für den Augenblick wäre das auch „schon“ alles, was mir einfällt. Langfristig werde ich hier aber weiterschreiben, wenn mir neue Dinge ein- oder auffallen, und ich werde auch versuchen die fehlenden Bilder nachzureichen! 🙂

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