Tote Hose…?

…im Augenblick leider auf unserer Homepage, bestimmt aber nicht in Taiwan! Zunächst ein mal: Entschuldigung, für das lange auf-sich-warten lassen!

Ich verspreche zukünftig lieber fleißig kleine, statt alle paar Monate „Monster-Artikel“ zu verfassen! Aber erst mal ein kurzes Statusupdate:

Ich bin heute genau 6 Wochen und 4 Tage in Taiwan. Vieles ist schon passiert, und habe ich schon erlebt. Zunächst die jüngsten Ereignisse:
Gestern ist die Republik China auf Taiwan 100 Jahre alt geworden!!! Das wurde natürlich kräftig gefeiert – also von vielen, ich habe…geschlafen. Ja ganz recht. Mein Wochenende war nämlich ziemlich anstrengend, hier eine „kurze“ Zusammenfassung:

Samstag Mittag waren eine japanische Mitschülerin aus der Sprachschule (Erika) und ich von zwei Englisch-Studentinnen unserer Uni zum Mittag-Essen eingeladen worden. Die „zwei“ Englisch-Studentinnen entpuppten sich aber spontan als 4 Englisch-Studentinnen – die zum Mittag in ein Lokal wollten, wo ihre Kommilitonin arbeitet. Macht summa sumarum: 4+1+Erika=6 fotobegeisterte Asiatinnen! Anfangs mag das ganze rumposiere ja noch ganz lustig gewesen sein, auf Dauer ist das aber echt anstrengend die ständigen „Schau mal hier!“ und „Wie süüüüß“-Rufe zu ertragen (alles auf Chinesisch versteht sich) Hinzu kam: Das Essen war sehr lecker, aber die Portionen recht überschaubar und auch nicht ganz günstig. Mit halb leerem Magen mimte ich dann also den Gentleman, um niemanden zu verärgern. (Nicht falsch verstehen, diese 3 Stunden waren echt lustig, aber auch echt anstrengend – und ich echt hungrig!!) Als wir dann auf dem Weg nach Hause waren, hatte ich eigentlich vor, mich bei der nächsten Würstchenbude davon zu stehlen – aber wie das Schicksal so spielt, trafen wir eine Dozentin der Studentinnen, die uns spontan nach Hause fuhr. Weil unser Hunger aber unstillbar wurde (Erika erging es genauso wie mir) gingen wir dann Eis essen.

Taiwanisches Eis, (nächstes Mal mache ich ein Foto!) das stelle man sich wie folgt vor: Man hat eine Theke, wie in einer „normalen“ Eisdiele auch, dort ist allerdings kein Eis, sondern verschiedene Früchte und „hergestellte Dinge“ (diese Produkte haben soweit ich weiß keine vernünftigen deutschen oder englischen Namen) zur Auswahl. Man wählt dann 5 verschiedene aus, diese werden in eine Schale gegeben, und anschließend unter etwas gehalten, was wie eine Bohrmaschine mit Forstnerbohrer aussieht, die sich in einen Eisblock bohrt. Das daraufhin geschredderte Eis rieselt dann in die Schale über das Obst, anschließend kommt noch eine Kelle Rübensirup drüber. Fertig ist das taiwanische Eis. Klingt erst einmal sehr gewöhnungsbedürftig, ist sicher auch nicht jedermanns Geschmack, mittlerweile hab ich es aber recht gern. Einzig bei den Sorten muss man vielleicht etwas probieren, bis man seine Favoriten findet (Es gibt auch diverse Bohnen im Angebot).

Damit war der Hunger zwar nicht gestillt, der Appetit allerdings schon, und zu viel Essen wollte ich ja auch nicht, denn das nächste Vorhaben stand ja bald an: Ein Besuch auf dem Feng Jia Nachtmarkt, Taichungs größter seiner Art, und direkt vor den Toren einer von Taiwans größten und berühmtesten drei Universitäten gelegen (der Feng Jia Universität).
Nach einer etwas umständlichen Hinfahrt kamen Erika, Chihiro (eine weitere Sprachschülern, allerdings aus einem wesentlich höheren Level als wir) und eine unserer Lehrerinnen (sie ist um die 30, Erika 27, und Chi 33, nur um die Altersverhältnisse, und die Tatsache, warum wir gemeinsam mit unserer Lehrerin abends weggehen, zu erklären ;-)) auf dem Nachtmarkt an, wo auch kräftig reingehauen wurde. Es gibt einfach vieeeeel zu viel leckeres Essen dort, und wir waren ja auch richtig hungrig! Zwischenzeitlich war ich echt am zweifeln, ob ich auf meinen vollen Bauch, der inbrünstig: „Ich bin voll, hör auf zu essen!!!“, schrie, vertrauen, oder lieber doch den zahlreichen „Marktschreiern“ und tausenden leckeren Düften nachgeben, und weiter essen sollte. (Ja, hier gibt es in der Tat „Marktschreier“, die dann die ganze Nacht vor ihren Ständen stehen- und Werbeslogans grölen müssen, und das nach Möglichkeit lauter und kreativer als der von der Bude gegenüber. Da wisst ihr Bescheid…) Naja, ein Reiswürstchen hat an diesem Punkt noch reingepasst, dann war ich aber wirklich mehr als satt. 🙂

Weil meine Begleiterinnen sich allerdings in den Shopping-Untiefen von Feng Jia verloren hatten, verpassten wir natürlich die Deadline, ab der keine Busse mehr fahren. Aus diesem Grund traten wir die Heimreise per Taxi an. Aaaaber, noch lange kein Feierabend in Sicht! Daheim angekommen bat ich den Wachmann mir schon ein anderes Taxi zu bestellen, ich machte mich derweil fertig zum feiern gehen!

(Die Erlebnisse dieses Abends spare ich hier am besten aus ;-))

Fakt aber ist: Ich war gegen um 5 wieder Daheim, um 10 sollte ich aber bereits schon wieder abgeholt werden. Also: um 9 aufstehen, fertig machen, wieder Geld abheben gehen, frühstücken. Dann ging es zu meinem ersten Tennis-Match! Ich habe natürlich nicht gespielt, sondern nur zugeschaut, weil mich zwei Freundinnen eingeladen haben. Zunächst wurden mir die Regeln auf Chinesisch erläutert, dann all die anderen Zuschauer, die mit zu unserem „Fanblock“ gehörten vorgestellt (alles irgendwie Freunde untereinander), und die nächsten Stunden habe ich dann damit verbracht, den Ballwechseln zu verfolgen, oder mit der kleinen knuddeligen Tochter einer Taiwanerin zu spielen (siehe links).




Anschließend gingen wir gemeinsam Mittag Essen. Es gab einen sehr speziellen „Hot Pot“. Ein Hot Pot kocht oder köchelt stets ununterbrochen. An diesem war jedoch speziell, dass er auf keiner Kochstelle stand, sondern sich im Inneren glühende Kohlen befanden, die der Suppe einheitzten. Dazu gab es verschiedene Fleischklöße, Reisnudeln, Teigtaschen, Tofu und Gemüse.




Ich war gerade fertig mit Mittag essen, da fragten zwei der eben kennengelernten Freunde, ob ich nicht Lust hätte, zusammen mit ihnen zum Sonne-Mond-See zu fahren, und dort Abends das große Feuerwerk anlässlich Taiwans Geburtstag am nächsten Tag, anzuschauen. Das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen, also ging es direkt nach dem Essen los. Die Frage, ob ich nicht noch müde vom Vortag sei, tat ich mit: Schlafen kann ich auch noch Morgen, ab.
Der Sonne-Mond-See ist stets einen Besuch wert: zum Einen ist er landschaftlich einmalig, zum Anderen ist aber auch das Klima dort sehr angenehm, da es verhältnismäßig mild und die Luft vergleichsweise trocken ist. Das macht ihn speziell bei den Taiwanern sehr beliebt, die hier her gern in Urlaub, oder auch in die Flitterwochen fahren, und Ausländer und Touristen trifft man hier natürlich auch zu Hauf an. Ganz in der Nähe ist außerdem ein Dorf eines der 13 offiziell anerkannten Minderheiten (Ureinwohner) Taiwans.

Am Sonne-Mond-See angekommen trafen wir (ich weiß bis jetzt noch nicht, ob geplant oder zufällig) 5 Freunde bzw. ehemalige Klassenkameraden eines meiner Begleiter, wir gingen dann gemeinsam Abendessen: Es gab Schweinefüße, und „Präsidenten-Fisch“ (Was es mit dem Namen genau auf sich hat, blieb mir einerseits auf Grund meiner mangelnden Chinesisch- und andererseits auf Grund der mangelnden Englischkenntnisse meiner Begleiter, leider verschleiert. Nur soviel habe ich verstanden: Irgendein Präsident soll einst diesen Fisch gegessen haben, und seitdem heißt er im Volksmund eben Präsidenten-Fisch, und: Wenn du diesen Fisch isst, wirst du mal Präsident werden! Also dann, kann ja nix mehr schief gehen, was?! ;-)).
Weil noch Zeit war, sind wir etwas an der Promenade spazieren gegangen. An vielen Stellen des Ufers beleuchteten bunte Scheinwerfer das Wasser, und aus den Bäumen blinkten die künstlichen Silhouetten von aus Lichterketten gebastelten Libellen, Vögeln und Schmetterlingen hervor. Leider versagte an dieser Stelle der Akku meiner Kamera.
Als wir dann in der Nähe der Stelle, wo das Feuerwerk stattfinden sollte, ankamen, war dort gerade noch ein großes Konzert mit klassischer und moderner klassischer Musik im Gange. Beim Warten stockte ich meine Taiwanisch-Kenntnisse gleich noch ein bisschen auf. (Nein, das ist kein Fehler. Ich bin in erster Linie zum Chinesisch lernen hier, auch wenn das Land Taiwan heißt. Auf Taiwan gibt es allerdings sehr viele verschiedene Sprachen. Mandarin, also Hochchinesisch ist am weitesten verbreitet. Danach folgt, Hakka, ein chinesischer „Dialekt“, Taiwanisch, die eigentliche Sprache der auf Taiwan
lebenden eingewanderten Menschen, und die zahlreichen Sprachen der verschiedenen Ureinwohner.) Kurz bevor es dann endlich los ging, trafen wir weitere Freunde meiner Begleiter, und wir verabredeten uns spontan für das nächste Wochenende in Zhubei, nahe Hsinchu zu einer Radtour auf einem sehr bekannten 17km langen Radweg entlang der Seepromenade (Zum Mondfest war ich schon einmal dort gewesen, allerdings hatten wir auf Grund des starken Windes und nur 2 Stunden Zeit nur die ersten 6km hin und wieder zurück geschafft, nächstes Wochenende steht dann der gesamte Weg auf dem Plan. Und wer sagt: das sind doch nur 34km! Dem kann ich sagen, dass das alles andere als einfach ist, wenn einem die Formosa-Straße alles, was sie an Wind so hat, entgegenbläst!)

Irgendwann ging es dann aber auch endlich los! Und ich muss sagen, ich freu mich jetzt schon auf Neujahr, denn das Feuerwerk konnte sich echt sehen lassen! Schade nur, dass es zwischenzeitlich so doll gequalmt hat, dass die darauf entstehende Rauchwolke einen Teil des Feuerwerks verschluckte, während sie pilzartig gen Himmel wuchs. Im Anschluss ging es Heim, und dann hieß es aaaaauuuuusssssschlafen. 🙂

So, heute war dann auch schon wieder Schule, und damit wisst ihr alles, was ich in den letzten 3 Tagen gemacht habe! Bald gibts auch schon den nächsten Artikel. Darin beantworte ich die Frage, die mir ein Kumpel vor einer Weile gestellt hat: „Was war denn das verrückteste, das du bis jetzt erlebt hast?“ (Keine Angst Chrissi, ich habe dich nicht vergessen ;-)) Diese Frage war zugegebenermaßen schwerer zu beantworten, als gedacht. Darum habe ich eine Weile darüber nachgedacht, und mich mal an einer kleinen Zusammenstellung versucht, im Sinne von „Typisch Deutsch – typisch Taiwanisch“, aber wie gesagt, das lest ihr demnächst! Und damit verabschiede mich, und wünsche allen eine gute Nacht! 🙂

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