Spaziergang beim „alten Sommerpalast“

Ein fester Wohnsitz macht faul, zumindest in der Stadt. Vielleicht kennt ihr das Phänomen ja auch: Beim Besuch eines neuen Ortes seid ihr Feuer und Flamme, der zeitlich begrenzte Aufenthalt muss so effizient wie möglich gestaltet und jede noch so kleine Burg, Kirche, Tempelanlage, heilige Grabanlage, Museumsausstellung, Sehenswürdigkeit und und und… mitgenommen werden – von heiligen Bergen, einmaligen Wanderpfaden oder fantastischen Stränden ganz zu schweigen. Beim dauerhaften oder zumindest längerfristigen Umzug sieht die Sache jedoch ganz anders aus, diese Erfahrung habe ich in Taichung, Chengdu und auch jetzt in Peking machen dürfen. Nach kurzer Zeit machen sich Alltagsroutine und Bequemlichkeit breit und Ausflüge werden gemäß dem Motto: „Ich habe ja noch Zeit, das kann ich auch noch später machen/anschauen“ aufgeschoben.

Und eh man sich versieht, gilt es wieder: Tasche packen, Segel setzen und auf und davon. Aus diesem Grund war ich heute im „alten Sommerpalast“ spazieren, der jedoch nicht mit Pekings „Sommerpalast“ verwechselt werden sollte.

Wer dem Namen entsprechend historische Prachtbauten vermutet, den muss ich leider enttäuschen. Von den einst weitläufigen Gärten und Palastanlagen haben lediglich einige Ruinen der aus Stein erbauten Gebäude die Brandschatzung westlicher Truppen in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts überdauert. Einige werden sich bei den nachfolgenden Bildern eher an Europa denn an China erinnert fühlen und nein, euer Gefühl trügt euch nicht. Während chinesische Luxusartikel wie Seide, Tee und Porzellan zur Zeit der Qing Dynastie (1644-1912) einen regelrechten Boom in Europa erlebten, war auch das Land der Mitte verstärkten europäischen Einflüssen ausgesetzt. Stellvertretend kann hier auf die Arbeit Giuseppe Castigliones verwiesen werden, eines italienischen Jesuiten, der mehr als 50 Jahre lang am chinesischen Kaiserhof als Maler und Hofarchitekt diente und dabei unter anderem maßgeblich an der Planung des alten Sommerpalasts beteiligt war.

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