Newsflash

+++ Russischer Taxifahrer startet selbst für seine Verhältnisse waghalsiges Abbiegmanöver (1) +++
+++ Krasnojarsker Flughafen legt außergewöhnliche Sicherheitsbestimmungen an den Tag (2) +++
+++ Wissenschaftler bestätigen lange umstrittene These: ein Hostel VOR der Ankunft buchen, spart tatsächlich Zeit und Mühen (3) +++
+++ Deutscher Student unter Spionageverdacht festgehalten (4) +++
+++ Ich bin ein Star – holt mich hier raus! (5) +++
+++ Tausende Deutsche demonstrieren FÜR einen Kauf der DB durch China (6) +++

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(1) Auf dem Weg zum Flughafen hatte ich einen Chauffeur, der der russischen Fahrkunst noch einmal alle Ehre machte. Seine glorreichste Tat war es eine rote Ampfel zu überfahren und dann auf einer Straße mit drei Spuren in jede Richtung durch den fließenden Verkehr LINKS abzubiegen. Auf jeden Fall hatte ich dadurch die Chance einen (uns entgegen kommenden) Unimog noch einmal von ganz Nahem zu betrachten. Aber ich will nicht so kleinlich sein. Denn ich habe es offensichtlich ja zum Flieger geschafft (sonst könnte ich hier vermutlich nicht mehr schreiben). 🙂

(2) Mein schweigsamer Fahrer hat mich natürlich zum falschen Terminal gebracht. Das kann natürlich passieren, ist bei lediglich zwei Terminals aber etwas ärgerlich. Vor allem, wenn man es erst im Flughafen und nach den umfangreichen Sicherheitsprozeduren (ich musste sogar meine Haarspray Dose aus der Tasche rauskramen und erklären, was das sei) am Eingang bemerkt. Also das Personal gefragt: „Von wo geht mein Flug, wo befindet sich das andere Terminal?“ Die guckten mich wiederum mit großen Augen an: „Terminal 2? Ohhhhh….“ Und dann folgte eine kurze Wegbeschreibung und der Hinweis, dass ich seeeehr lange gerade aus laufen müsste. Mit etwas betretener Miene und voll beladen stiefelte ich los.
War aber halb so schlimm. Keine 10 Minuten später war ich da. Dann gingen aber die Überraschungen los. Am Eingang zog ich schon pflichtbewusst meinen Gürtel aus, leerte meine Hosentaschen, trug mein Gepäck zum Durchleuchten – keine Reaktion. Besser noch, der Sicherheitsbeamte schien keinen Bock zu haben aufzustehen und winkte mich einfach durch. Beim Boarding war ich der einzige Ausländer weit und breit und irgendwie konnte die Frau vom Schalter dann in meinem Pass etwas nicht finden, was es in russischen Pässen gibt, oder der Scanner erkannte es nicht oder was weiß ich. Auf jeden Fall hielt ich den ganzen Verkehr auf (was sich bei lediglich zwei Schaltern schon bemerkbar macht). Außerdem hatte ich noch einen Beutel mit Süßigkeiten, die die anderen nicht aufgegessen hatten, dabei. Mein Plan war es, diese in der Wartezeit zu verputzen und was dann noch da gewesen wäre, in meinen Rucksack zu stopfen oder wegzuwerfen. Die nette Frau vom Schalter kam mir jedoch zuvor. Sie fragte, ob ich zwei Handgepäcke habe (wo ich natürlich sofort eine Falle und Übegepäckkosten roch). Ich versuchte ihr irgendwie in einem Russisch und simplen Englisch Mix klar zu machen, was ich vorhatte. Am Ende klebte sie mir einfach zwei Handgepäck-Aufkleber, einen auf meinen Rucksack und einen auf den Beutel drauf. Nun gut, dann sei es eben so (laut Flugbestimmung von S7 ist natürlich nur ein Handgepäck gestattet). An der Sicherheitsschleuse nach dem Boarding wurde es dann noch besser: Ich hatte noch anderthalb Flaschen Wasser bei mir. Die halbe trank ich aus, dann war ich voll. Etwas wehleidig stellte ich die Wasserflasche neben einem Mülleimer ab, in dem Wissen, dass ich sie eh nicht mit an Board nehmen dürfte. Im Flieger fiel mir dann jedoch voller Schrecken ein, dass in meinem Beutel neben den Süßigkeiten auch noch eine Flasche Wasser und eine ganze Packung russischer Beerensaft waren. Das hatte aber letztlich keinen gejuckt – und das obwohl der Beutel ebenfalls durchgeschaut worden war.

Auch wenn ich von den Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen häufig genervt bin, war ich dieses Mal doch etwas schockiert. Natürlich hatte ich keine gefährlichen Substanzen bei mir, aber bei diesen laschen Kontrollen wäre es vermutlich auch nicht aufgefallen, wenn ich welche dabeigehabt hätte. Das gibt einem dann doch zu denken…

(3) Ja, Papa, ich hätte auf dich hören sollen. Ich komme also früh um 1 in Peking an, soweit so gut. Also suche ich in Ruhe nach einem Ort, wo ich Internet habe. Das war zwar gar nicht so einfach, aber auch hier noch kein Problem. Als ich jedoch anfange nach einer Unterkunft zu suchen, geht die Sche***e los. Ich hatte mir die Daten von drei Hostels auf einen Zettel aufgeschrieben und die von noch einmal 5-7 weiteren hatte ich im Rechner.
Insgesamt habe ich mit mehr als 24 Hostels telefoniert, und alle waren angeblich voll ausgebucht. Das kann doch nicht sein, es sind Semesterferien aber demnächst ist nicht einmal ein nationaler Feiertag, dachte ich mir. Am Ende resignierte ich und suchte im Internet eine der diversen Reisewebsites, die Zimmer vermitteln, auf. Der Nachteil bei solchen Websites ist natürlich immer, dass sie einen Teil vom Kuchen abhaben wollen und man Gebühren hat. In meinem Fall sah ich aber keine andere Möglichkeit mehr.
Plötzlich sah ich ein Angebot für eines der Hostel, bei dem ich bereits angerufen hatte. Der Preis war ok, und die Pauschale betrug 67 RMB. 1,5€ Komission? Damit kann ich leben. Tja, falsch gedacht, Albi. Du bist hier weder in Russland (1€ = ~47RUB), noch in Taiwan (1€ = ~41NTD) und der Umrechnungskurs beträgt 1€ = 8,1RMB. Allerdings hieß es, dass ich nicht gleich, sondern erst im Hostel zahlen müsste, und das war mein großer Gewinner heraus. Im Hostel angekommen (ich hatte ca. 6 Stunden mit der Suche nach einer Unterkunft verbracht), stellte sich heraus, dass die Kooperation des Hostels mit dieser Website gar nicht mehr existierte. Da ich aber eine Buchungsbestätigung hatte, willigte man letztlich ein mir doch ein Bett in einem 6er Zimmer zu organisieren. Die oben erwähnte Gebühr wurde dabei zwar eingepreist, aber somit veränderte sich ja im Endeffekt nichts an dem Preis, den ich so oder so hätte zahlen müssen (und über die rund 50€, die ich für meine 6 Tage Aufenthalt zahle, will ich mich hier auch nicht beschweren).

(4) Das ist natürlich der Abschnitt, den ihr unbedingt lesen wolltet – und jetzt habe ich hier so viel anderes Blabla geschrieben bisher. Darum geht’s gleich zur Sache: Nachdem ich gestern, wie man auf Neudeutsch so schön sagt, noch total „geflasht“ von Peking war (*für ein paar positive Eindrücke siehe weiter unten), habe ich heute auch einige der Schattenseiten kennenlernen dürfen. Für manches davon war ich selbst verantwortlich, anderes war die Folge davon und manches war einfach nur Pech. Jedenfalls sollte heute mein erster richtiger Touri-Tag in Peking werden. Dafür hatte ich mich überlegt, vom Hostel aus bis zur verbotenen Stadt zu laufen. Das sind zwar ein paar Kilometer, aber so könne ich wenigstens etwas von der Stadt und den Menschen sehen, so meine Überlegung. Dazu muss man sagen, dass mein Hostel in einem Hutong, einer mehr oder weniger traditionellen Gasse im alten Teil Pekings gelegen ist.
Ich lief los, frühstückte noch schöner unterwegs und alles war so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich freute mich gerade über ein paar Stromleitungen, die so tief hingen, dass ich mich sogar bücken musste, damit sie meinen Kopf nicht streiften.

Mein Frühstück nach der Halbzeit: Vegetarisch gefüllte und im Dampf gegarte Knödel und frische Sojamilch! :)
Mein Frühstück nach der Halbzeit: Vegetarisch gefüllte und im Dampf gegarte Knödel und frische Sojamilch! 🙂
Besagte Stromleitung. Der Kollege rechts im Bild war vielleicht ~20cm kleiner als ich.
Besagte Stromleitung. Der Kollege rechts im Bild war vielleicht ~20cm kleiner als ich.

Dann sah ich ihn, den Ort, der mir zum Verhängnis werden sollte: Auf der gegenüberliegenden Straßenseite standen 4 leicht (Schlagstock) bis schwer (MG) bewaffnete Soldaten vor einem Eingang aus dem ich die Schritte und Rufe eines Militärmarschs hörte. Ich lief vorrüber und erlebte einen dieser „was wäre, wenn ich das jetzt machen würde – ach, mach’s lieber nicht“-Momente, und was tat ich? Ich drückte natürlich, wenn auch leicht unauffällig, auf den Auslöser meiner Kamera. Aber eben leider nicht unauffällig genug. Sofort rief mir eine der Wachen etwas zu und kam über die Straße gerannt. Sein MG hatte er freundlicherweise dagelassen. Ich rief zurück, ob Fotografieren nicht erlaubt sei. Er verneinte. Kein Problem, meinte ich, und löschte das Foto vor seinen Augen.
Da war ich wohl mal wieder etwas zu naiv. Er wollte natürlich auch alle anderen Fotos sehen und meinte, ich solle hier warten. Ich ging an den Straßenrand und begann zu warten.
An dieser Stelle kürze ich die Erzählung mal etwas ab: ich wartete insgesamt 1,5 Stunden und musste gegenüber x verschiedenen Soldaten verschiedenster Ränge wiederholen, wer ich sei, woher ich komme, was ich hier machen würde, warum ich das fotografiert hätte, was ich in Russland gemacht hätte, was ich in Taiwan gemacht hätte, wo ich in China studieren würde, was ich studieren würde, woher ich Chinesisch könnte und und und. Die meisten der Soldaten waren sogar ganz nett, als aber mein grimmiger „Freund“ vom Anfang der Geschichte damit begann, die persönlichen Daten aus meinem Pass und von meinem Visum zu entnehmen, wurde mir doch ganz schön mulmig zu Mute. Zwei der „guten“ Soldaten beschwichtigten mich jedoch mehrfach, dass ich nichts zu befürchten hätte und diese Prozedur nichts mit meinem Visum zu tun hätte. Außerdem gäbe es derzeit irgendein großes internationales Treffen in der Stadt, weshalb man „besonders sensibel“ bei derartigen belangen sei.
Zum Schluss kam dann endlich derjenige, auf den ich ursprünglich warten sollte. Ich wurde in einen kleinen Versammlungsraum gebracht (leider durch eine Seitentür, so dass ich nicht einmal etwas von dem militärischen Sperrgebiet, um das es sich bei der ganzen Anlage handelt, sehen konnte), wo ich dann mit mehreren Offizieren, sowie zwei „persönlichen Mitarbeitern des Generals“ (so stellten sie sich mir gegenüber vor; mir wurden sogar die Dienstausweise gezeigt) saß. Sie informierten mich darüber, dass ich mit dem Foto eine Straftat gegen das chinesische Gesetz begangen habe und das natürlich auch für Ausländer gelten würde. Dann musste ich noch ein letztes Mal meine Geschichte erzählen und meine „Beweggründe“ für das Foto schildern. Als bloße Neugier angab, war man ganz verdutzt und meinte, ob es so etwas in Deutschland nicht gäbe und ob da das Fotografieren nicht auch verboten sei. An dieser Stelle gleich mal die Frage an alle Deutschen, die da besser Bescheid wissen: Wie ist das in Deutschland? Ist das Fotografieren von beispielsweise einem Kaserneneingang verboten? Ich wusste es nämlich nicht und ansonsten kann ich mich auch nicht erinnern in Deutschland schon einmal in die Nähe von einem militärischen Sperrgebiet gekommen zu sein. Am Ende musste ich das Protokoll unterschreiben, mir wurde garantiert, dass es keine Folgen für mich geben würde und das auch nicht weitergeleitet würde, dass Infos nach so einem Vorfall jedoch intern bei ihnen abgelegt werden müssten.

Puh, noch keine zwei Tage hier und schon Stress mit dem System. Ich habe mich den Rest des Tages jedenfalls echt gehütet Polizisten oder Militärs mit auf dem Bild zu haben. Das ist in Peking aber gar nicht so einfach, denn die stehen einfach überall in der Innenstadt und bei den Touristenattraktionen. Dazu kommen noch Sicherheitskontrollen (auch in der Metro)… Mein Rucksack wurde heute bestimmt mehr als 10 mal durchleuchtet.

*Peking hat natürlich auch echt schöne Seiten, hier nur mal zwei Beispiele (dass die Luft dabei so dick ist, dass man sie schneiden könnte – daran muss man sich einfach gewöhnen):

2014_beijing_2
2014_beijing_3

(4) Ich bin mal wieder ein Superstar. Auch wenn mir mittlerweile schon einige Leute von Taiwan das gleiche berichtet haben, hatte ich derartiges dort nicht feststellen können. Natürlich wurde ich dort auch öfter mal angestarrt, aber heute sollte ich so oft für ein Foto posieren, dass ich schon gar nicht mehr weiß wie oft ich letztlich gefragt wurde. Dazu kamen Heerscharen von Highschool-Schülerinnen, die mich lüstern angrinsten und/ oder mir ein verlegendes „Hi“ oder „Hellooo“ zuriefen. Anfangs war das noch ganz lustig, aber am Schluss machte ich einfach nur noch gute Miene zum bösen Spiel. Aber daran werde ich mich hier wohl gewöhnen dürfen. Chengdu ist größer als Peking und beherbergt mich Sicherheit noch weniger Ausländer. Trotzdem war ich sehr überrascht. Ich hatte Peking immer für von Ausländern überlaufen erachtet, aber außer in bestimmten Gebieten, sehe ich ehrlich gesagt nur sehr wenige oder gar keine Ausländer.

Bild von mir und einem "Fan".
Bild von mir und einem „Fan“.
Actionshot aus der Hüfte, darum ist das Bild schief. Aber es zeigt eben zu schön die Emotionen, die der Chinese beim Versuch, seine Frau und mich für die Ewigkeit festzuhalten, an den Tag legte.
Actionshot aus der Hüfte, darum ist das Bild schief. Aber es zeigt eben zu schön die Emotionen, die der Chinese beim Versuch, seine Frau und mich für die Ewigkeit festzuhalten, an den Tag legte.

(5) Habe heute mein Zugticket nach Hohot, der Hauptstadt der inneren Mongolei (an dieser Stelle noch einmal der Hinweis: die innere Mongolei ist ein autonomes Gebiet in Nordchina, aber NICHT das Land, die Mongolei) gekauft. Der Preis für die rund 500km: umgerechnet 9€. Da könnte sich die Deutsche Bahn ruhig mal eine Scheibe abschneiden! 🙂

Ps.: Sorry, dass es doch wieder ein Monsterpost geworden ist, aber ich hatte eben viel zu erzählen! 😉

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