Jura, Orga-Chaos und weiterhin kaltes Wasser

Seit fast einer Woche bin ich nun bereits in Krasnojarsk, darum ist es höchste Zeit für einen neuen Beitrag, darüber wie es mir bisher hier gefällt, was es zu kritisieren gibt und was ich schon erlebt habe.

Am Dienstag hatte ich mit einer Vorlesung zum russischen Staatsrecht mein Debüt in den Rechtswissenschaften. Für den Beginn war dieses Teilgebiet zugegebenermaßen recht trocken und ich musste mich zunächst an eine Reihe von Fachbegriffen gewöhnen. Mittlerweile habe ich jedoch auch schon einige Strafrecht Veranstaltungen besucht und dabei begann mir der Reiz von Jura durchaus nachvollziehbar zu werden. Allerdings habe ich dabei erleben können, wie schnell man sich auch über Banalitäten zerstreiten kann, wenn ein Artikel von zwei oder noch mehr Leuten anders auslegt wird.

Am Dienstag wurde uns etwas überraschend mitgeteilt, dass wir, engegen der allgemeinen Erwartungshaltung, doch Prüfungen während der Sommerschule abzulegen hätten (Vier Stück insgesamt). Doch alles halb so wild. Die erste, zu Verfassungsrecht, habe ich bereits hinter mir und dabei sogar 15 (von 18 möglichen) Notenpunkten erreicht! 🙂

Über den Russisch Unterricht an der Uni kann ich leider nicht sehr viel positives berichten. Es gibt lediglich zwei Stufen, was aus meiner Sicht absolut unpassend ist. Die eine Stufe ist auf einem derart hohen Niveau, dass sie auf Russisch über slawische Sprachwissenschaft diskutieren kann. Alle, die diese Anforderung nicht erfüllt haben, sind wie ich in der zweiten Stufe gelandet. Wie ihr nach meinem ersten Post schließen könnt, gibt es dort jedoch immer noch große Unterschiede, was das Sprachniveau angeht.
Ich finde es in Ordnung (und es ist auch das Einzige, was Sinn ergibt, wenn alle mitkommen sollen), dass wir wieder beim „Urschleim“ angefangen haben und die ersten Stunden praktisch nur das Alphabet und diverse Silben vorgelesen haben. Mein Russisch wird sich so jedoch leider nicht wirklich verbessern können. Vielleicht steigt der Anspruch bis zur nächsten Woche ja aber auch noch ein bisschen.

In der Uni stört mich zudem, dass die gesamte Organisation sehr chaotisch ist. Die Pläne werden zum Teil mehrfach täglich geändert und verworfen und die Kommunikation mit der Uni geschieht vor allem über die sehr gut Russisch sprechenden Teilnehmer. Alle Russen, mit denen wir in der Uni zu tun haben, sprechen außerdem sehr gutes Deutsch, so dass es meist darauf hinausläuft, dass nur auf Deutsch geredet wird oder aber, dass die, die es können, nur auf Russisch reden. Dabei fühlt man sich dann schnell etwas ausgegrenzt. Ich verstehe zwar hier und da einen Fetzen, aber leider nicht übermäßig viel und wenn doch, erlaubt es mir meine Sprachfertigkeit in der Regel noch nicht, schnell genug zu reagieren.

Jetzt kam so viel Kritik, dass ich natürlich auch noch auf die positiven Dinge eingehen will:
Zu den anderen Teilnehmern habe ich soweit ein sehr gutes Verhältnis und gemeinsam mit zwei Anderen ließ sich eine kleine Art WG etablieren, in der wir dann viel Quatschen, (mit unseren begrenzten Mitteln) Kochen, Film schauen oder etwas Unternehmen. Außerdem haben wir bisher schon einige sehr schöne Ausflüge gemacht, die die Uni großzügigerweise für uns organisiert hat. Dazu gibt es dann aber mehr im nächsten Artikel mehr (Das Titelbild oben ist beispielsweise bei einem solchen Ausflug entstanden. Darauf zu sehen sind die meisten deutschen und russischen Teilnehmer der beiden Sommerschulen sowie einige Dozenten)! 🙂
Von warmem Wasser fehlt bisher leider immer noch jede Spur und es hieß, dass sich das wohl bis zum 14.08., also 3 Tage vor dem Ende der Sommerschule, nicht mehr ändern wird. Aber damit kann ich besser leben, als mit dem, was ich oben beschrieben habe und auf diese Weise verplempere ich auch nicht mehr so viel Zeit im Bad! 😉

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