Home, sweet home

Tag 1: Es ist Dienstag, der 28. Februar 2017. Mit gehetztem Blick eile ich durch Pekings Chaoyang Bezirk Richtung Sunflower Tower. Ein letzter Blick auf das teure vegetarische Restaurant, den koreanischen Supermarkt und den zwielichtigen „Friseur“. Dann bin ich weg. Die Zeit drängt. Drei Dinge hatten zuvor meine persönliche Anwesenheit erfordert und letztlich fast den gesamten Vormittag in Anspruch genommen: Wohnungsübergabe, die Kündigung meines Mobilfunkvertrages sowie Bankkontos. Doch nun heißt es Abschied nehmen. Zum einen von der Deutsch-Chinesischen Umweltpartnerschaft, einem Projekt der GIZ, bei dem ich in den vergangenen sechs Monaten ein Praktikum absolviert habe. Zum anderen von Peking und vom chinesischen Festland, denn um 13.55 Uhr geht mein Flieger.

Gerade noch pünktlich erreiche ich den Flughafen. Vorfreude macht sich breit und ein Dauergrinsen schleicht sich auf mein Gesicht. Nein, es geht nicht Heim nach Deutschland, zumindest noch nicht. Zunächst mache ich eine kleine Reise in die Vergangenheit, an einen Ort, dem ich einen Großteil meines jüngeren Werdegangs zu verdanken habe, von dem ich nicht glauben kann, dass mein letzter Besuch schon fast fünf Jahre zurückliegt und den ich schmerzlich vermisst habe: Ich fliege nach Taiwan.

Kurz nach 17 Uhr. Schon ein komisches Gefühl, nach all der Zeit wieder (an genau der gleichen Bushaltestelle) vor diesem Flughafen zu stehen. Im Gegensatz zum letzten Mal fahre ich jedoch nicht ins weiter südlich gelegene Taichung, sondern gen Nordosten nach Taipeh. Neben dem Besuch von ein paar Freunden will ich mich noch einige Tage erholen und mir weitere Stationen für meine Inselumrundung ausgucken, bevor es einen Monat später von gleicher Stelle wieder nach Deutschland gehen soll.

Auf Empfehlung einer Freundin steige ich für die ersten Nächte in einem „Kapselhotel“ ab. Seit ich zum ersten Mal von dieser ursprünglich aus Japan stammenden Budget-Unterkunft gehört habe, war ich neugierig, wie das wohl so ist. Mein Urteil: Positiv empfinde ich die dank vieler Vorhänge im Vergleich zu üblichen Herbergsschlafsälen große Privatsphäre. Dass sich das Bett komplett verdunkeln lässt, ist ein weiterer Vorteil. Zwei gar nicht mal kleine Schließfächer direkt neben dem Bett ermöglichen es, Rucksack, Wertsachen und eine Flasche zu Trinken bequem und in unmittelbarer Greifweite zu verstauen. Preislich ist die Kapsel mit rund 13€ pro Nacht unschlagbar, und zudem nur zehn Minuten zu Fuß vom Taipeher Haupt- und Busbahnhof entfernt. Ganz klar negativ hingegen ist – was für eine Überraschung – dass sowohl das „Hinein-“ als auch das „Hinauskriechen“ und auch sonst jeder Versuch, innerhalb der Kapsel zu „wenden“, sehr umständlich und gewöhnungsbedürftig ist. Im Idealfall ist das ja aber nur einmal vor und nach dem Schlafen notwendig (außer man hat etwas im Schließfach vergessen). Menschen ab 1.80m und allen Claustrophobikern kann ich diese Art der Unterkunft dennoch nur bedingt empfehlen. 😉

Bevor ich jedoch für meine erste Nacht in die Kapsel klettere, genieße ich zunächst noch ausgiebig meine zurückgewonne Freiheit: unzensiertes Internet.

Ps.: Geschlafen habe ich ansonsten sehr gut.

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