Frühlingsferien Teil 3

Da wir an besagtem Tag auch unsere Heimreise antreten wollten, suchten wir nach der besten Möglichkeit dafür. Die Entscheidung erwies sich als schwieriger als gedacht: Der Bahnhof war zu weit weg, das Busunternehmen war nicht gerade günstig, und die Taxifahrer ließen nicht mit sich handeln.
Schlussendlich stießen wir allerdings noch auf einen Taxifahrer mit einem kleinen VW-Transporter, der uns zum gewünschten Preis mitnehmen wollte, und durch den wir außerdem auch noch eine Menge Zeit im Vergleich zur Busfahrt sparten.

Am frühen Nachmittag kamen wir also wieder in Kaohsiung an. Das Wetter war – wie fast immer dort – warm und schwül, weshalb wir uns zunächst mit kalten Getränken eindeckten, anschließend unsere Freundin zum Bahnhof schafften, und bei der Gelegenheit auch gleich unser unnötiges Gepäck in Schließfächern einlagerten. Danach ging es dann auch schon los.

Da es mein erster richtiger Besuch in Kaohsiung war (ich war auf meinem Weg nach Taitung schon mal im Zug vorbei gefahren, wer das noch einmal nachlesen will, der schaue bitte hier!), und wir aber leider nicht sooo viel Zeit hatten, wollten wir uns natürlich so viel wie möglich anschauen. Darum fuhren wir zunächst mit dem Bus fast eine Stunde (nein, wir haben die Stadt in der Zeit nicht verlassen, aber wir reden hier auch von Taiwans 2. größter Stadt mit insgesamt fast 2,8 Mio. Einwohnern!), und stiegen dann in die Metro um.

Tandem KaohsiungUnser Ziel: Cijin, eine langgezogene Insel entlang der Westküste der Stadt. Als wir die Metro verließen, erwarteten uns regelrecht eine Gruppe von, nun ja, wie soll ich sie nennen: „Vertretern“. Diese verkaufen allerdings keine Versicherungen, sondern bieten Fahrräder, und kleine Roller zum mieten an. Da das Ganze so ja aber zu langweilig geworden wäre, mieteten wir uns kurzerhand ein Tandem. Meine Freundin nahm ohne sich auf Diskussionen einlassen zu wollen den hinteren Platz ein, und dann fuhren wir los (oder vielleicht auch nur ich? 😉 ).

Die Reise mit dem Fahrrad empfand ich als sehr angenehm, da man sich so viel entspannter alles ansehen konnte, bei Bedarf auch anhalten bzw. die „Reisegeschwindigkeit“ erhöhen konnte, um schneller an sein Ziel zu kommen. Nach ein paar kleinen Umwegen, auf Grund von einem kleinem Missverständnis fanden wir dann schließlich doch den Weg zu unserem Ziel: dem ehemaligen Sitz der Briten in Taiwan.

ehemals britischer Sitz in TaiwanIn Taiwans Geschichte spielen die Briten zwar weder eine Große noch eine stark relevante Rolle, allerdings ist besagtes Gebäude ein Überbleibsel aus der Zeit, als Taiwan erstmals von Europäern betreten wurde, was rund geschätzt zwar nur 300 Jahre her ist, hier aber schon als besonders gilt, da der Großteil der Geschichte des Landes ebenfalls erst zu circa dieser Zeit beginnt. Außerdem ist es auf einem kleinen Berg gelegen, von dem aus man auf der einen Seite einen fantastischen Blick über Kaohsiung hat, auf der anderen Seite auf die Weiten des Meeres hinaus blicken kann.
Weil unser Zeitrahmen nur knapp bemessen war, galt unser Blick eher der Schönheit des Gebäudes und der Landschaft, als den ausgestellten historischen Gegenständen und Schriften. Als wir uns satt geschaut hatten, eilten wir zurück zu unserem zweirädrigen Gefährt, und machten uns auf den Weg zum Hafen, um dort eine Fähre nach Cijin zu besteigen.
Skyline Kaohsiung

Sternenhöhle Cijinfrittierte KrabbenDiesmal fanden wir uns auf Anhieb zurecht und kamen auch schnell auf der Insel an. Von der Fähre aus bot sich uns erneut ein toller Blick auf die Größe der Stadt. In Cijin angekommen, radelten wir gemütlich vor uns hin, besichtigten weitere Ruinen aus der Zeit der Europäer in Taiwan, besuchten einen Tempel, fuhren durch die „Sternenhöhle“ , und und und. Da es mittlerweile schon Abend und dunkel war, deckten wir uns mit diversen Meeresfrüchten ein. Das war zwar für hier nicht ganz günstig, aber auf jeden Fall die richtige Entscheidung, denn auch wenn ich mich z.B. an die 1€-Stück großen frittierten Fischaugen nicht herangetraut habe, war das was wir letztlich aßen, z.B. im Ganzen (also mit Scheren) frittierte Krabben wirklich seeehr lecker. Zum Essen fuhren wir zu einer kleinen Bucht, und schauten auf das vom Mond beschienene Wasser hinaus.



Die Zeit drängte nun ein bisschen, denn vom „wahren Kern“ der Stadt wollte ich natürlich auch noch etwas sehen. Darum bemühten wir uns möglichst schnell zurück zum Hafen und auf eine Fähre zu kommen. Aus diesem Grund waren wir auch etwas erschrocken, als wir sahen wie sich die Menschen dort in Schlagen stauten. Durch Zufall gelangten wir dann aber doch recht schnell auf eine der zwei wartenden Fähren, welche auch sofort ablegte.

Liebesfluss in KaohsiungWährend wir uns zunächst noch überrascht freuten, merkten wir recht schnell, dass der Grund für die wenigen Mitfahrer auf der Fähre, und den vergleichsweise geringeren Andrang der war, dass besagte Fähre zu einem ganz anderen Hafen fuhr! Geplant war das so zwar nicht, aber hatten wir zunächst keine andere Wahl als zu sehen, wo wir letztlich landen würden. Die Antwort kannte sogar ich, wenn auch bisher nur von Fotos: Wir hielten am „Liebes-Fluss“ mittem im Herzen der Stadt. So gesehen war das ja gut, allerdings drängte die Zeit, das Tandem zurück.zugeben. Also fuhren wir am durch die Lichter der Stadt erhellten Fluss entlang, auf der Suche nach einem Eingang zur Metro. Als dieser gefunden war, fiel mir plötzlich ein Schild ins Auge, welches soviel besagte wie: “ ’normale Fahrräder‘ an diesem Zugang nicht gestattet, für den Transport von diesen bitte zu Zugang XYZ gehen.“ Ich wies meine Freundin darauf hin, welchen nur mit den Schultern zuckte und meinte: wir haben keine Zeit, also los jetzt!

Danach ging es mit dem Tandem mehrere Rolltreppen hinunter, und anschließend in einen Fahrstuhl, in welches haargenau schräg hineinpasste. Danach ab in die Metro. Wir hatten den Fahrradbesitzer angerufen, das Fahrrad direkt in der Metro entgegen zu nehmen, damit wir so die Kosten für ein Ticket, welches beim verlassen der Metrostation bezahlt wird, zu sparen. Als wir den Mann schon sehen konnten, wurden wir jedoch von ein paar Securities und Polizisten aufgehalten, was wir denn da machen würden, und ob wir denn ein Ticket für das Rad hätten usw.
Wir waren natürlich sehr erschrocken, man konnte sich jedoch einigen, wir zahlten das Ticket nach, gaben das Rad ab, und alles war wieder in Ordnung.

In der von da an noch verbliebenen Zeit brachte mich meine Freundin noch an ihre zwei Lieblingshaltestellen (warum diese so besonders sind – seht einfach selbst), gingen über einen Nachtmarkt spazieren, welcher direkt an Kaohsiungs Shopping-Meile liegt, und ich gewann uns ein Eis und ein Getränk bei einer Art Glücksrad (Für rund 25cent, kein schlechtes Geschäft, würde ich meinen 🙂 ).
Metrostation 1
Metrostation 2

Im Anschluss begaben wir uns auf den Rückweg zum Bahnhof, obwohl wir gut aufgepasst hatten, rannte die Zeit nun. Kurz nach 22 Uhr am Bahnhof angekommen, fiel mir mit Schrecken ein, dass die Aufbewahrung für das Gepäck 22 Uhr schließt. Also rannte ich vor, und erwischte den zuständigen Mitarbeiter gerade noch beim Abschließen. Zunächst wollte er mich nicht gewähren lassen, allerdings konnte ich auf ihn einreden und wir bekamen doch noch unser Gepäck zurück. Durch diesen nicht geplanten Umstand mussten wir uns nun aber auch sputen um rechtzeitig unseren Bus zu erwischen, also rannten wir erneut los…

Wenige Minuten später saßen wir mit schmerzenden Füßen und todmüde im Bus.

Abschließend möchte ich sagen, dass es eine schöne,
wenn auch kurze Reise, mit vielen Impressionen und faszinierenden Augenblicken war. Im Nationalpark
von Kenting will ich aber bei Gelegenheit noch einmal vorbeischauen, und Kaohsiung hat sich auch einen weiteren, ausführlicheren Besuch verdient, da es eine Stadt mit ganz eigenem Flair und Gefühl ist, was ich so in Taiwan in noch keiner anderen Stadt hatte.

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