Zwar nicht aus Chengdu, aber trotzdem repräsentativ für China/ Asien: ein Hund in Hohhot.

Die letzten Wochen 2014 – #2

Neues vom Dach
In meinem letzten Artikel hatte ich Euch ja über illegale Dachausbauten berichtet. Aber ob ihr es glaubt oder nicht: nur wenige Tage nach dem Artikel wurde die Bude auf unserem Dach fertiggestellt. Und obendrein habe ich nur wenige Tage darauf doch tatsächlich einen der „Verantwortlichen“ kennengelernt.

Das fertige Häuschen.Wir standen zusammen im Fahrstuhl – es war kuschelig eng, da er seinen Elektro-Roller mit dabei hatte (Ja, einen richtigen Roller und keinen kleinen, der mit Muskelkraft betrieben werden muss. Das machen viele Leute hier so, vermutlich aus Angst, dass man ihnen ihr Gefährt im Erdgeschoss klauen könnte). Ich war in Eile und wollte noch schnell Mittag essen, darum hastete ich, kaum im 1. Stock angekommen (im Chinesischen ist das das Erdgeschoss), auch schon los. Fünf Minuten später saß ich im Lokal meiner Wahl und siehe da, nur wenige Sekunden nach mir betrat eben jener Mann aus dem Fahrstuhl das Restaurant. Er erkannte mich, kam herüber und fragte, ob er mich zu mir setzen könne. Es folgte zunächst ein Austausch der Standardfloskeln á la: Oh, ein Ausländer! Du sprichst Chinesisch? Wir wohnen im gleichen Haus! etc. Doch dann wurde es interessant: „Du wohnst ja scheinbar im 9. Stock, da bist ja vorhin zumindest eingestiegen. Ich wohne ganz oben im 18..“ Da wurde ich natürlich gleich hellhörig und fragte, ob er etwas über die Häuser auf dem Dach wisse. „Na klar, meine … (Schwägerin? Tante? Das habe ich leider nicht so ganz verstanden) baut das da oben.“ Anschließend erklärte er mir, wie das genau läuft. „Das ‚Baurecht‘ steht immer denen in den Dachgeschosswohnungen zu. Dann muss da noch eine kleine Abgabe an den Besitzer gezahlt werden (Anm.: Er hat mit keinem Wort etwas von „Bestechung“ gesagt. Demnach muss das also alles vollkommen legal und unbedenklich zu sein! 😉 ) und beim Bau sollte man einen Meter (Anm.: einen chinesischen Meter vielleicht… mir sah das eher wie ein halber Meter aus!) Sicherheitsabstand zum Rand einhalten, dann passt das schon.“
So, so. Wieder etwas gelernt. Und noch ist ja mehr als genügend Platz auf dem Dach, zumindest für eine weitere Hütte. Bis es jedoch soweit ist, bleiben der Rettich und die Würste, die dort gegenwärtig zum Trocknen aufgehängt sind (Spezialitäten für das Chinesische Neujahr am 19. Februar, wie ich mir habe sagen lassen) unter sich.

Schadenfreude…
… ist die schönste Freude, bin ich fast geneigt zu sagen. Normalerweile bin ich ja nicht so, aber in diesem Fall grenzt es schon fast an ein Wunder, dass die folgende Geschichte erst jetzt passiert ist und nicht schon vor Wochen.
Direkt vor meiner Haustür befinden sich auf der Straße zwei große, nun ja, ich vermute, es sollen Gullis sein. Allerdings sind sie deutlich größer (circa 1mx1m) und ihr Abdeckung wurde vor einigen Wochen irgendwie zerstört. Seitdem stehen sie da. Offen. Mit nichts als einem dunkelblauen Warnzylinder davor.
Es kam also kürzlich, wie es kommen musste, und ein Autofahrer hat seinen Wagen kurzerhand in einem dieser Löcher versenkt. Ich kam gerade rechtzeitig, um mich der gaffenden Meute anzuschließen, die zuschaute, wie der Abschleppdienst die Karre wieder auf die Straße zog. Der Fahrer murmelte dabei ununterbrochen (zu sich selbst, wie ich vermute), dass er doch gar nicht so schnell gefahren sei und dass man das Loch aus jener Richtung unmöglich hätte sehen können.Eines der besagten Löcher und......der besagte Pechvogel.Das glaubst vielleicht DU. Jene Straße ist an sich schon ziemlich schlecht und dazu spielen, spazieren oder fahren auf ihr noch viele Kinder, Senioren und Fahrradfahrer. Trotzdem heizen die meisten dort lang, als gäb’s kein Morgen mehr. Außerdem stand der Wagen in einem sehr ungewöhnlichen Winkel, weshalb ich mir sehr sicher bin, dass der Fahrer mit möglichst geringem Zeitverlust irgendetwas schnell überholen wollte.
Aber bevor mir jetzt noch wer Boshaftigkeit unterstellt: keine Angst, der Fahrer war unverletzt und er konnte anschließend mit seinem Auto direkt weiterfahren. Hoffentlich hat wenigstens er seine Lektion gelernt. Die Löcher sind nämlich nach wie vor ungesichert, weshalb es nur eine Frage der Zeit ist, bis es den nächsten Raser (oder des nachts gar noch einen unschuldigen Fußgänger) erwischt!

PS.: Wenn man vom Teufel spricht: Auf dem Weg zum Abendessen habe ich bemerkt, dass neben beiden Löchern je ein Stapel Ziegel aufgehäuft wurde. Jetzt gilt es nur noch abzuwarten, wie lange es dauert, bis sie dann auch endlich zugemauert werden.

Chinesen und Haustiere
Das Konzept „Haustier“ ist in China noch relativ neu. Aus wirtschaftlicher Sicht scheint es aber bereits heute über mehr Potential als sein westliches Pendant zu verfügen. Überall sieht man kleine Pudel in den ausgefallensten Kleiderstilen herumrennen und eine der erfolgreichsten Präsentationen auf dem zuvor angesprochenen Business-Wettbewerb und meines Wissens nach auch die einzige, der sofort finanzielle Mittel zu Realisierung angeboten wurden, war die einer selbstreinigenden Hundetoilette.

Zwar nicht aus Chengdu, aber trotzdem repräsentativ für China/ Asien: ein Hund in Hohhot.
Zwar nicht aus Chengdu, aber trotzdem repräsentativ für China/ Asien: ein „modisch“ gekleideter Hund in Hohhot. Was seine Augen uns wohl sagen wollen…?

Als ich vor wenigen Tagen vom Unterricht zurückkam, hatte ich ein kurioses Erlebnis: Ich schob mein Fahrrad an einem tief gebückt gehenden Großmütterchen vorbei, als mich plötzlich etwas stutzen lies. Die Oma hatte nach ihrem kleinen Mops gerufen, der kurz zuvor noch mit wackelndem Po an mir vorbeigerannt war. Allerdings musste ich mich zweifellos verhört haben. Denn meine Kenntnisse des lokalen Dialekts mögen sicherlich beschränkt sein, essenstechnische Begriffe fallen dann aber doch schon in mein Metier. Sekunden später wiederholte sie sich.
Kartoffel? Augenbohne? Ich weiß nicht, welcher der beiden Begriffe es letztlich war. Dies zeigt aber, dass es nicht nur bei Menschen einen Trend zu kreativen Namen gibt!
Passend zum Thema wurde mir letztens auf dem Campus auch ein entsprechender Flyer in die Hand gedrückt:
Flyer vom Katzen-Café. Ein ähnliches Café hatte ich auch schon in Russland gesehen und ich muss sagen, die Geschäftsidee gefällt mir recht gut (falls die Sehnsucht nach den heimischen Katzen doch einmal zu groß wird 😀 ). Aber was für Namen man den Tieren gibt, darüber könnte ich mich dennoch immer wieder amüsieren: von links nach rechts, von oben nach unten: Gefüllte Teigtasche, Dampfbrötchen, Blühend, Hübsch, Kartoffel. 😀

Man muss auch mal Glück haben
Letzte Woche war ich mit einer Freundin auf dem Weg in ein Kopierzentrum, als wir direkt in einen Pulk Studenten liefen, der sich vor einem Laden mit elektronischen Geräten gebildet hatte. Prompt ließ ich mich dazu überreden, an der stattfindenden Lotterie teilzunehmen. Bewerberzettel ausgefüllt, abgegeben, los ging’s. Halbe Stunde später: Möp, kein Glück gehabt. Schade, aber es war sonnig, das Glas darum halb voll, ich optimistisch und mit einem Na-vielleicht-nächstes-Mal-Gedanken ging ich heim. Kaum angekommen rief mich eine unbekannte Nummer an: „Ja, hallo? Du bist doch dieser Ausländer, der hier gerade an der Verlosung mit teilgenommen hat, oder? Du hast doch noch was gewonnen, wir hatten noch eine zweite Runde.“ So schnell kann’s gehen! 😀 Allerdings vermute ich fast, dass es gar keine zweite Runde gegeben hat und die mir einfach so etwas schenken wollten. Die Leute von der Organisation waren nämlich völlig hin und weg, als sie feststellten, dass ich Chinesisch spreche. Mein Preis war übrigens eine externer Akku, mit dem ich beispielsweise mein Handy unterwegs aufladen kann – also will ich mich sicher nicht beklagen! 😀

Der glückliche Gewinner mit seinem Preis!
Der glückliche Gewinner mit seinem Preis! 🙂

Haare schneiden in China
Nachdem einige meiner Kommilitonen nun bereits drei Mal beim Friseur waren, dachte ich mir: es wird Zeit. Ziemlich genau am 2. August, einen Tag vor meiner Abreise aus Deutschland, hatte ich mich das letzte Mal unters Messer gelegt. Dass ich mit diesen Worten nicht übertreibe, davon könnt ihr Euch auf dem Beweisfotos am Ende vom ersten Artikel dieser Reise selbst überzeugen!
Bevor ich mich jedoch auf meine Mission begab, musste ich an den letzten Besuch bei meiner langjährigen Friseurin vor meiner Taiwan-Reise im Jahre 2012 denken: „Ist schon vernünftig, dass du vorher noch mal hergekommen bist. Da drüben setzen sie dir am Ende vielleicht noch ’nen Topf auf den Kopf und schneiden alles, was darunter hervorsteht ab und das war’s!“, hatte sie gesagt und mit diesen Worten im Ohr machte ich mich auf den Weg…

So schlimm war es dann aber zum Glück doch nicht, oder was meint ihr? 😀
Beim chinesischen Friseur - vorher, nachher Vergleich.

(Unten geht’s zum nächsten bzw. zum vorherigen Teil! 🙂 )

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.