Die letzten Wochen 2014 – #1

Drei Wochen Funkstille hat es jetzt schon länger nicht mehr hier gegeben. Das liegt aber nicht etwa daran, dass ich Euch vergessen hätte, sondern dass es drei sehr ereignisreiche Wochen waren. Außerdem wollte ich schon seit langem mal ein paar kleine Anekdoten aus dem Alltag aufschreiben, was ich bei dieser Gelegenheit dann auch gleich mit machen werde. Damit ihr aber nicht mehr als nötig erschlagen werdet, habe ich mir überlegt, das Ganze in drei Teile aufzusplitten und über die nächsten paar Tage verteilt zu veröffentlichen. Nun will ich aber Euch aber nicht länger auf die Folter spannen – los geht’s! 😉

Praktikum im Generalkonsulat
Das ist die größte und mit Abstand erfreulichste Neuigkeit der vergangenen Wochen! Wie einige von Euch vielleicht wissen, hatte ich mich Anfang September auf ein Praktikum in diversen Botschaften (Beijing, Singapur, Ulan Bator), Generalkonsulaten (Chengdu, Hongkong, Shanghai, Guangzhou) und einer Auslandsvertretung (Taipeh) beworben. Für diejenigen, die sich jetzt fragen: „Mhh? Irgendwie ist das an mir vorbeigegangen!“ – Macht Euch keine Gedanken, das liegt schlicht und einfach daran, dass ich es nicht an die große Glocke hängen wollte, so lange ich noch keinen Platz sicher hatte. Wie dem auch sei.
Nachdem mir am 02. Dezember im online Bewerberportal bereits angezeigt worden war, dass ich bisher in allen beworbenen Zeiträumen nicht berücksichtigt werden konnte und eine Zusage damit eher unwahrscheinlich sei, bekam ich nur zwei Tage darauf doch noch die erlösende Nachricht:
Ich hatte es in die engere Auswahl für das Generalkonsulat hier in Chengdu geschafft! In der Woche darauf sollte ein Telefoninterview folgen. Leider spielte mir das Internet dabei einen Streich, weshalb meine Mail mit dem Terminvorschlag erst nach meinem Wunschtermin beim Konsulat eintraf. Folglich verbrachte ich einen ganzen Vormittag damit, auf einen Anruf zu warten, der niemals kommen sollte. Letztlich aber alles kein Problem – einen Tag später klappte es dann doch und schon noch wenigen Minuten wusste ich, um es mit dem Jugendwort des Jahres 2014 zu sagen: es „läuft“!

Während ich das Telefonat annahm, überlegte ich noch fieberhaft, ob ich mich auf Deutsch, Chinesisch oder gar Englisch melden solle. Spontan entschied ich mich für Deutsch, nur um im nächsten Moment von einer weiblichen chinesischen Stimme überrascht zu werden (meine Kontaktperson vom Konsulat ist nämlich männlich). Es folgten ein paar Minuten lockeres Geplänkel auf Chinesisch, was ich derzeit so machen würde, warum ich mich in Chengdu beworben habe, wo ich mein Chinesisch gelernt habe und wie ich so mit dem lokalen Dialekt klar komme. Es wurde viel gelacht, bis unser Geplauder plötzlich unterbrochen wurde: „Oh, mein Chef will dich jetzt auch mal sprechen“. Es folgte die zweite Überraschung. Ich wurde nämlich nicht weitergeleitet, sondern sprichwörtlich weitergereicht. Der stellvertretende Generalkonsul, Herr Kraus-Massé, hatte die gesamte Zeit daneben gestanden und eröffnete mir nun vergnügt, dass er die letzten Minuten ein sehr lebhaftes Gespräch habe verfolgen können und dass am es Sprachlichen wohl nicht scheitern werde. Anschließend wurden mein Lebenslauf und meine Bewerbung stichpunktartig abgearbeitet und einzelne Punkte kurz hinterfragt. „Sie wollen langfristig auch für das Auswärtige Amt arbeiten?“, „Entsprechen die vorläufigen Aufgabenfelder, die ich Ihnen geschickt habe, Ihren Vorstellungen?“, „Sie haben lediglich Russisch-Grundkenntnisse, haben aber an einer Sommerschule im russischen Recht teilgenommen – wie passt das zusammen? Wie kamen Sie da zurecht?“
Diese und ähnliche Fragen wurden unter anderem gestellt. Nach nicht einmal einer Viertelstunde war es dann auch schon vorbei. „Wir melden uns dann demnächst bei Ihnen“, hieß es zum Abschluss. Doch „demnächst“ war in diesem Fall fast übertrieben: Rund 30 Stunden später hielt ich schon die Zusage in meinen Händen (in Form einer Email auf dem Laptop)! 🙂

Ursprünglich hatte ich mich auf ein Praktikum über 6 Monate ab März beworben, jetzt wurde mir jedoch eines für 3 Monate ab Juni angeboten (inklusive einer Option auf Verlängerung, falls dies dem Wunsch beider Seiten entspreche). Bis es also losgeht, dauert es noch ein bisschen, aber das ist es mir definitiv wert! Und außerdem habe ich schon ein paar Ideen, bzw. haben sich kürzlich noch ein paar Dinge ergeben, mit denen sich der Zeitraum eventuell gut überbrücken lässt, aber dazu gleich mehr! 😉

Albi der Moderator und eine ungeplante Begegnung
In den letzten drei Wochen wurde ich gleich zwei mal als Moderator „gebucht“. Einmal für das fünfjährige Jubiläum der Sprachschule eines Freundes und das andere mal für die zweite Runde eines Business-Plan Wettbewerbs.
Bei ersterer Veranstaltung bestand die Herausforderung darin, dass die Moderation auf Englisch und Chinesisch gemischt war, und dass ich die Rede zudem nicht selbst geschrieben hatte. Letztlich war mein Auftraggeber aber zufrieden und es war mal ein Programm der anderen Art, da es aus bunt gemischten Beiträgen der Sprachschüler (deren Alter von 2-3 bis ~14 reicht) bestand.

Während dem Sprachschul-Jubiläum...
...und nach dem Business Wettbewerb Links: Während dem Sprachschul-Jubiläum und rechts: nach dem Business Wettbewerb

Was den Wettbewerb anbelangt, sollte jene Runde ursprünglich bereits Anfang November stattfinden. Aus mir unbekannten Gründen war sie dann aber auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Die zweite Moderation ergab sich daher recht kurzfristig.
Der Ablauf der Veranstaltung war folgendermaßen: jede Teilnehmergruppe hatte vier Minuten Zeit ihre Idee und deren Umsetzung zu präsentieren. Anschließend wurde der Spieß herumgedreht und die aus Wirtschaftsvertretern bestehende Jury erhielt je eine Gelegenheit, die Teilnehmer weitere vier Minuten lang mit ihren Fragen zu löchern und aus der Reserve zu locken.
Eines der Jury Mitglieder war der CFO der regionalen Niederlassung eines bekannten, multinationalen, deutschen Unternehmens (mehr verrate ich hier aber noch nicht 😛 ). Die Pause nutzte ich daher für etwas „networking“. Ich meine, wer weiß, wozu solche Kontakte mal gut sein werden! 😉
Ich bekam auch eine Visitenkarte und hatte schon die Idee, mich innerhalb der nächsten Tage bezüglich einer möglichen Praktikastelle (ihr wisst schon, zur Überbrückung bis Juni!) zu meldenn. Doch es kam mal wieder anders als geplant und mir zudem jemand zuvor: Zwei Tage nach dem Event bekam ich eine SMS von einem chinesischen Studenten, der mir erklärte, dass er aktuell in jenem Unternehmen ein Praktikum absolvieren würde und dass sich sein Chef (besagter CFO) nach meiner Email Adresse erkundigt habe.

Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet und jetzt bin ich einfach nur gespannt, wie es weiter geht!

Beim Fernsehen
Direkt im Anschluss an den Business Wettbewerb hatte ich aber noch einen weiteren Termin und zwar bei einem Fernsehsender!
Die Lehrerin, die uns Anfang Dezember zu dem Chor Konzert mitgenommen hatte, war gefragt worden, ob sie nicht Interesse habe, an einer Sendung zum Thema Reisen mitzuwirken und dazu hatte sie mich spontan eingeladen. Wir fuhren zur angegebenen Adresse und landeten in einem Raum eines Cafés wie man ihn aus so mancher Talk-Show oder Märchenstunde kennt: bequeme Sessel, aufwändige Wandverzierungen etc. auf der einen Seite, drei große Kameras auf der anderen.
Nach dem Dreh
Nachdem die Sitzfolge geklärt worden war, begannen unsere beiden Gastgeber sogleich mit uns zu plaudern. Die meiste Zeit ging es um die Sendung, den Ablauf und darum wer ungefähr wann was zu sagen, machen oder lassen habe. Ab und an gab es aber auch ein paar abrupte Themenwechsel, nach denen wir uns verdutzt anschauten, weil uns der Sinn dahinter oder die Verbindung zum Thema verborgen blieb (Möglicherweise ging es darum, uns „locker“ zu machen und gleichzeitig besser kennen zu lernen. Vielleicht waren die beiden Moderatoren aber auch selbst etwas verwirrt 😀 ).
Sobald die Vorbereitung abgeschlossen war, ging es dann relativ schnell. In zwei oder drei großen Blöcken wurde die Sendung aufgenommen. Meiner Lehrerin wurden zunächst gezielte Fragen über das Reisen in Australien gestellt, welche Erfahrungen sie dabei bisher gemacht habe und was sie anderen empfehlen würde. Im gleichen Zug wurde auch noch ein Buch vorgestellt. Im letzten Drittel kam dann ich „zum Einsatz“. Es ging allgemein darum, wie man heute Reisen kann und welche Dinge dabei besonders zu beachten sind. Als ich nach meinen Reisen in Europa gefragt wurde, erklärte ich, dass das keine Reisen im eigentlichen Sinne waren, sondern, dass ich zu jener Zeit noch als Sportler aktiv war. Da hatte ich natürlich wieder etwas gesagt und alle waren gleich Feuer und Flamme.
Insgesamt schien das Film-Team aber recht zufrieden zu sein, denn wir mussten kaum Szenen wiederholen. Die paar Male, die es allerdings doch passierte, kamen für mich jeweils sehr überraschend. Man kennt es zwar aus Filmen, dass dann plötzlich einer laut „CUUUUUUT“ ruft und der gesamte Dreh unterbrochen wird. Allerdings war es ein ums andere Mal eine merkwürdige Erfahrung, wenn einer der Moderatoren urplötzlich den Kontext wechselte, mit seinem Kollegen zu reden begann oder aus dem Nebenzimmer eine Stimme schrie, dass irgendein Mikro rauschen würde oder eine Stimme zu leise sei.
Obwohl die ganze Angelegenheit nur für einen Lokalsender war, empfand ich es dennoch als eine sehr spannende Erfahrung und allemal interessanter, als z.B. irgendeinen Werbespot zu drehen, was ja ziemlich viele Ausländer in China früher oder später einmal machen. Ich bin auf jeden Fall schon sehr gespannt auf die fertige Version der Sendung.

Ps.: Ich sollte „unbedingt“ noch Bilder von mir beim Reisen und beim Sport nachreichen und man wolle „auf jeden Fall“ für etwaige zukünftige Aufnahmen in Kontakt bleiben. Na da…

Abschluss unserer Kalligraphie Kurse
Am Vormittag des Heiligen Abends endete dann auch unser Kalligraphie Kurs. Unser Lehrer, Hr. Chen, hatte uns dazu extra in eines seiner Anwesen eingeladen, das zu einer Art Ausstellungsort und Museum für Kalligraphie in Wenjiang werden soll. Ebenfalls anwesend waren Fernsehvertreter sowie der Kultusminister der lokalen Regierung (ich weiß jedoch nicht, wie lokal, also ob vom Bezirk, der Stadt oder gar noch höher). Ein letztes Mal durfte ich dazu den Dolmetscher spielen. Im Anschluss erhielten wir unsere Zertifikate – jedes ein handgemachtes Unikat mit Kalligraphie von Herrn Chen sowie einem eigens angefertigten Stempeldruck! Abschließend gab es dann noch viele Fotos, großes Händeschütteln, das Fernsehen wollte auch noch ein kurzes Gespräch und dann ging es auch schon weiter…
Gemeinsam mit dem regionalen Kultusminister,...

...beim Übersetzen...

...beim interviewen...

Abschlussbild unserer Klasse.
Das Abschlussbild unserer Klasse. Unser Lehrer Herr Chen ist rechts im Bild.

Weihnachten in Chengdu
…, denn da der 24.12. für mich ja nicht nur Weihnachten, sondern gleichzeitig auch Geburtstag ist, hatte ich mich mit einigen Freunden zum Essen verabredet, bevor es abends dann noch auf die eher besinnliche Weihnachtsfeier aller internationalen Studenten gehen sollte. Kurz und knapp: es war gnadenlos zu viel, aber sau lecker! Wir waren im Restaurant der Bekannten, die uns damals mit auf das Chor Konzert begleitet hatte! Ihr Restaurant ist vor allem auf Fisch spezialisiert und bietet sehr viele traditionelle Gerichte an. Aus diesem Grund überließ ich ihr auch die Zusammenstellung des Menüs. Später fragte ich mich allerdings doch, ob das so eine gute Idee gewesen war. Es gab nämlich unter anderem ein Gericht, das lediglich aus Fischköpfen bestand und noch weitere Dinge, die jeden eher konservativen, westlichen Magen nervös zusammenzucken lassen würden. Meine Sorgen waren allerdings unbegründet, denn sobald einer meiner (deutschen!) Mitbewohner (Alex) probierte und alles mit dem Prädikat „ausgezeichnet“ befand, war das Eis gebrochen.

Fischkopf gefällig?
Fischkopf gefällig? Eines der Gerichte an meinem Geburtstag.

Nachdem wir alle schon gemästet waren und sprichwörtlich aus allen Nähten zu platzen drohten, packte Alex auch noch sein – zumindest auf dem Campus weitbekanntes – Tiramisu aus, und davon reichlich! Ob es geschmeckt hat? Als Antwort dazu sollte ich anmerken, dass Alex gelegentlich sogar schon entsprechende Kochkurse gibt und darüber hinaus bei vielen chinesischen StudentINNEN bereits unter dem Namen „Tiramisu-Gott“ (提拉米蘇男神) bekannt ist, und nein, das ist keine Übertreibung und ja, das ist eine wörtliche Übersetzung! 😀 )

Ein Ausschnitt unseres Gelages.
Ein Ausschnitt unseres Gelages ( ich war so beschäftigt und habe das Foto gar nicht mitbekommen :D).

Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, funktionierten wir den „Feuertopf-Tisch“ (Feuertopf oder 火鍋 ist ein typisches chinesisches Gericht und besagter Tisch zeichnet sich dadurch aus, dass er in der Mitte gleich einen Gaskocher integriert hat) zum „Glühwein-Tisch“ um.

Unser "Glühwein-Tisch"
Unser „Glühwein-Tisch“

An dieser Stelle möchte ich mich auch noch einmal ganz herzlich für all die lieben Glückwünsche bedanken, egal ob sie mich persönlich, über Skype, am Telefon oder per Mail erreicht haben! Ich habe mich über jede einzelne Nachricht sehr gefreut! 🙂

Angesteckt durch die Aktion von heilig Abend nutzten wir die Weihnachtsfeiertage zudem, um bei reichlich selbstgemachtem Glühwein und selbstgebackenen Crêpes (die wir unter zuhilfenahme von unserer einzigen, lange aufgesparten und damit mehr oder weniger heiligen Flasche Sprühsahne, Marmelade, Obst und Schokolade verzehrten) gemeinsam Filme anzuschauen und wenigstens ein bisschen Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen. Es war natürlich bei Weitem nicht wie zu Hause, aber der Versuch zählt und schön was es irgendwie trotzdem! 🙂

(Unten geht’s zum nächsten Teil! 🙂 )

Ein Gedanke zu „Die letzten Wochen 2014 – #1“

  1. Wieder sehr schön geschrieben 🙂
    Wir hatten auch ein schönes Weihnachtsfest mit Eltern, Schwiegereltern und Geschwistern und bereiten uns nun auf den Jahreswechsel vor. Das erste Jahr im eigenen Haus war sehr schön.
    Weiße Weihnacht hat zwar nicht ganz geklappt, dafür hat es aber die letzten beiden Tage ein wenig geschneit. Es taut schon wieder kräftig, für einen Schneemann und das schweißtreibende Schneefegen hat es trotzdem gereicht 😉
    Ich weiß, dass chinesische Neujahr steht erst noch an, deshalb wünsche ich dir einen guten Rutsch ins neue Jahr 2015 im Sinne der alten Heimat.
    Sei herzlichst gegrüßt
    Die Magdeburger

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