Abschied von Deutschland, Ankunft in Taiwan

Ich weiß gar nicht recht, wo ich anfangen soll, aber ich muss diesen Artikel jetzt schreiben, denn ich befürchte, dass viele Eindrücke untergehen werden, auf Grund der Flut an ständig Neuem, was mich hier in Taiwan erwartet.

Gestern 13.55 ging mein Flieger in Frankfurt a.M., das ganze Herzklopfen im Vorfeld wegen meiner 3 Kilo „Übergewicht“ beim Handgepäck erwies sich glücklicherweise als unnötig. Man erkundigte sich lediglich, ob ich Handgepäck habe, was ich mit einem Verweis auf meinen Rucksack beantwortete, und das wars auch schon, weiter wurde nicht nachgefragt.

Mit meinem Flug von Cathay Pacific war ich sehr zufrieden. Sowohl beim Essen, Personal als auch den Sitzplätzen gab es nichts zu beanstanden.
Etwas verwirred war die ganze Reise an sich aber doch schon, zum Einen war es ja mein erster Flug überhaupt, zum Anderen ist man sichtlich irritiert, wenn man (nach der Zeit zu Hause) gegen halb 12 nachts Frühstück isst. Oder wenn man in Hongkong auf dem Airport steht, die eigene Uhr 1 Uhr irgendwas – alle anderen Uhren aber etwas von 7 Uhr anzeigen. Genauso unschlüssig war ich bei den Fragen nach Hunger und Müdigkeit. In Hongkong empfand ich die schon deutlich höhere Luftfeuchtigkeit nach der trockenen Flugzeugluft noch recht angenehm, dabei wusste ich aber nicht, dass diese nur erahnen ließ, was mich in Taoyuan am Flughafen erwartete.

Zunächst einmal erwartete ich dort einen Shuttle Service – und ohne hier irgendwem Schuld zuzuweisen, und es kurz zu machen: er war nicht da. Mit der Hilfe eines netten Herren der mich kurz bevor ich zum Münztelefon griff, an die Tourist-Information verwies, und der netten Dame dort, telefonierte ich dann ein bisschen rum, und fuhr letzten Endes noch 2,5 Stunden mit dem Bus nach Taichung, wo mich eine Freundin von den Kanuten von der Haltestelle abholte, mich mit dem Roller zur Unterkunft brachte und auch organisierte, dass ich etwas zu trinken und ein spätes Mittag bekam (das ist gegen 15 Uhr nämlich gar nicht so leicht in Taiwan, aber dazu später mehr). Aber noch einmal zurück zum Wetter: Beim Herausgehen aus dem vollklimatisierten Flughafen schlug mir 32°C warme Luft mit einer Feuchtigkeit von rund 80% wie eine Faust entgegen. Während man sich bei einem auch nur annähernd so tropischen Wetter in Deutschland schon über eine kleine Brise freut, verflucht man diese hier ganz schnell, denn jeder Windstoß ist noch heißer als die Luft ohnehin schon, und außerdem bringt er die Feuchtigkeit auch auf den letzten cm² Haut von dir. Taiwan ist demnach nichts (oder gerade deshalb?) für „Eincreme-Fetischisten“, denn auch ohne den Einsatz von Cremes oder Lotions fühlt man sich ständig so, als hätte man in derartigem gebadet. Für mich, der mit derartigem Klima noch keine Erfahrungen gemacht hat, ist das erst einmal sehr gewöhnungsbedürftig.

Ja, was gibt es sonst zu erzählen. Mein Zimmer ist ganz ok, falls sich doch noch jemand findet, der mit mir eine WG aufmachen will, ziehe ich noch in ein anderes Zimmer, wo ich dann auch einen Kühlschrank haben werde, ansonsten ist aber alles sehr sauber und ordentlich. Bad, Fernseher und Internet auf dem Zimmer sind selbstverständlich – die Küche ist Gemeinschaft, und dort steht auch ein Wasserspender.

Zu Taichung an sich: auch wenn ich auf der Busfahrt dann doch ganz schön geschwächelt habe, und mich die Müdigkeit zeitweise übermannte, empfand ich die Stadt als sehr groß. Der erste Eindruck ist auch sehr schwer zu beschreiben, auf Grund des enormen Facettenreichtums. Der Zustand der Gebäude reicht beispielsweise von „Bruchbude“ bis „Edelhütte“, und dazu blinkt noch fast überall bunte Leuchtreklame. Ich will auf keinen Fall sagen, dass es dreckig oder schlecht aussieht, zweifellos aber anders, total anders, als bei „uns“.
Was mir aber extrem auffällt, und worauf ich hier näher eingehen muss, sind:

ROLLER!!!!!!!

Es ist in der Tat unglaublich, und egal wie viel ich vorher dazu gelesen habe, wer das nicht mit eigenen Augen sieht, dem kann man es schwer vermitteln. Wie Ameisen bevölkern sie diese Stadt, und sind stets in der absoluten Überzahl. Es gibt keine Straße wo nicht mindestens 20 bis unendlich viele Roller eng an eng geparkt sind (geparkt wird relativ willkürlich, auf dem Fußgängerweg, dem Standstreifen, oder eben einem Parkplatz..für Roller) und die Rollerfahrer sind sich ihrer Dominanz auch sehr bewusst, und haben ihren eigenen Fahrstil. Einbahnstraßen gelten scheinbar nur für Autos, Zebrastreifen haben wenn überhaupt, nur einen Nutzen für Rollerfahrer und werden ebenso wie Fahrradstreifen (insofern das überhaupt welche sind, es gibt nämlich auch extra Rollerstreifen) fröhlich bevölkert, und wenn man über die Straße muss, aber der Verkehr zu dicht ist, oder das Geschäft zu dem man will auf der eigenen Straßenseite liegt, dann fährt man eben einfach entgegen der Fahrtrichtung. Da die Ampeln hier bei Kreuzungen auf der anderen Straßenseite sind, kann man auch so weit nach vorn fahren wie man mag, und wenn keiner fährt, die Kreuzung schon frei, die Ampel aber noch rot ist, kann man auch gefahrlos fahren. Links abbiegen gestaltet sich auf viele Arten, nur manchmal nicht so wie „wir“ das kennen. Entweder man fährt auf den Fußweg und benutzt den Zebrastreifen, um die kreuzenden Autos aufzuhalten, oder man biegt rechts ab, und stellt sich einfach vor die dort wartenden Autos auf der Geradeausspur. An dieser Stelle passt ganz gut ein Auszug der Unterhaltung, die ich beim essen hatte: ich habe gefragt, ob man eine Vorstellung hätte, bzw. was denn typisch deutsch sei. Die Antwort: Ich war einmal in Berlin, die Leute sind alle sehr freundlich, und können gut Englisch – sind aber auch irgendwie sehr ernst die ganze Zeit. Asiaten sind da entspannter 😉
(Obwohl ich nach dem deutschen Straßenverkehr erst etwas geschockt war und auch das eine oder andere Mal den Atem angehalten habe, muss ich zugeben, dass man sich so doch deutlich schneller fortbewegen kann, als auf alle anderen Arten. Warum dann nicht gleich Fahrrad fahren? Ganz einfach, dabei schwitzt man noch mehr!)
Ach ja, und Roller sind auch Allzweck Transportmittel. Ob ganze Familien (Papa fährt, Töchterchen ohne Helm zwischen den Beinen, Sohnemann hinter Papa, und Mutti hängt ganz hinten auf halb 8 noch irgendwie mit drauf) beim Tagesausflug, Bauarbeiter die Tonnen von Ziegeln, Werkzeugen oder Baumaterialien auf ihrem Roller stapeln und dann (ohne Befestigung) durch die Gegend fahren, oder einfach nur Leute die irgendwelche SäckE(!) vom Format meiner 20kg Reisetasche spazieren fahren – alles ist möglich, und keine Seltenheit.

Eine Sache fällt mir auch spontan ein: man muss wirklich aufpassen, dass man sich nicht zu viel einladen lässt. 3x wurde ich heute eingeladen – und das an meinem ersten Tag! Immerhin fällt der „Ankunftstag-Bonus“ ab morgen weg, und ansonsten muss ich wohl beim Kampf um die Rechnung einfach energischer sein!

Abschließend kann ich nur sagen, dass mir heute sehr bewusst geworden ist, wie sehr ich an meinem Chinesisch arbeiten muss. Bruchstücke von Sätzen oder einzelne Wörter stellen oft kein Problem dar, aber das interagieren fällt mir doch sehr schwer. Aber immerhin, ich ja jetzt noch ein Jahr Zeit, das zu ändern, und die Leute hier (von denjenigen, die ich schon kannte habe ich schließlich erst eine getroffen, dafür aber auch gleich einige Freunde von ihr kennen gelernt^^) sind sehr hilfsbereit und versuchen mich zu unterstützen, so gut es geht. Morgen steht ein Stadtrundgang mit einem (mir noch unbekannten) Taiwaner an, den man mir heute aber schon einmal spontan per Telefon ans Ohr gehalten hat (Ich habe nur verstanden, das wir morgen irgendwas machen würden, aber was? Darum war meine Antwort die meiste Zeit: 對不起我不知道你說什麼. – Tut mir Leid, aber ich verstehe nicht was du sagst. ) 😀

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